ASS-Primärprävention: Nachteile scheinen zu überwiegen
Acetylsalicylsäure (ASS) hat seit langem einen festen Platz zur kardiovaskulären Sekundärprävention. Der ASS-Einsatz zur kardiovaskulären Primärprävention ist allerdings umstritten. Laut einer neuen Metaanalyse im Fachblatt Archives of Internal Medicine scheinen die Nachteile zu überwiegen.
Die Metaanalyse basiert auf den Daten von 9 randomisierten Studien mit jeweils mehr als 1'000 Teilnehmern, die eine Primärprävention mit ASS untersuchten. Beurteilt wurden die Die Vor- und Nachteile (kardiovaskuläre Risikoreduktion und Blutungsrisiko).
Während der 6-jährigen Beobachtungszeit der über 100'000 Teilnehmer senkte die primärpräventive ASS-Einnahme die Rate kardiovaskulärer Ereignisse um 10% gegenüber Placebo (OR 0.90). 120 Personen mussten demnach sechs Jahre lang ASS einnehmen, um ein Ereignis zu verhindern (Number needed to treat, NNR). Verhindert wurden vor allem nicht tödliche Myokardinfarkte (OR 0.80, NNR 162). Keine Vorteile bestanden bezüglich kardiovaskulärer Mortalität (OR 0.99) oder Krebssterblichkeit (OR 0.93). Das Blutungsrisiko ("nicht triviale Blutungen") war in der ASS-Gruppe höher (OR 1.31, Number needed to harm 73).
Konklusion der Autoren: Die ASS-Primärprophylaxe führte zu einer klinisch bedeutsamen Reduktion nicht tödlicher Myokardinfarkte. Die vaskulär bedingte Mortalität oder Krebssterblichkeit wurde allerdings nicht vermindert. Aufgrund des gewichtigeren Blutungsrisikos wird eine generelle ASS-Einnahme zur Primärprophylaxe nicht empfohlen. Ob die primäre ASS-Primärprävention im Einzelfall sinnvoll ist, hängt vom jeweiligen Krankheits- und Blutungsrisiko ab und muss individuell abgewogen werden.
Link zur Studie
Arch Intern Med 2012, Online Publikation am 9. Januar - Seshasai SR et al.
11.01.2012 - gem