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Teebaumöl gegen Fusspilz
 
In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie wird die Wirksamkeit von Teebaumöl bei der Behandlung von Fusspilz in den Zehenzwischenräumen untersucht.

Titel

Treatment of interdigital tinea pedis with 25% and 50% tea tree oil solution: a randomized, placebo-controlled, blinded study.

 

Autoren

Satchell AC, Saurajen A, Bell C, Barnetson RS.

 

Quelle

Australas J Dermatol 2002 Aug;43(3):175-8

 

Abstract

 

 

Fragestellung 

Wie wirksam ist Teebaumöl bei der Behandlung von Fusspilz (Tinea pedis)?

 

Hintergrund

Etwa 10% der Bevölkerung sind in einem bestimmten Zeitpunkt von Fusspilz betroffen. Verursacht wird er meist durch verschiedene Dermatophyten und scheint einen Zusammenhang mit dem feuchten Klima besonders in verschlossenen Schuhen zu haben. Teebaumöl ist ein essentielles Öl, das aus den Blättern des Melaleuca alternifolia extrahiert wird, einem Baum, der in bestimmten Regionen von Australien wächst. Teebaumöl hat antimikrobielle Eigenschaften und wird als Naturheilmittel bei verschiedenen Hautaffektionen eingesetzt. Aufgrund von klinischen Studien wurde vermutet, dass Teebaumöl auch bei der Behandlung von Fusspilz wirksam sein könnte.

 

Methoden

Studiendesign 

Randomisierte, placebokontrollierte, verblindete Studie.

 

Setting

Vom dermatologischen Departement einer australischen Klinik aus wurden mit Inseraten in lokalen Zeitungen Patienten von 14 und mehr Jahren mit typischen klinischen Erscheinungen von Fusspilz in den Zehenzwischenräumen rekrutiert.

 

Einschlusskriterien 

Bei der Erstuntersuchung wurde eine Hautschuppe zur mikroskopischen Untersuchung und Kultur entnommen: Da die Kultur für das Wachstum ca. 2-4 Wochen benötigt, wurden alle Patienten mit mikroskopischem Hinweis auf Dermatophyten in die Studie aufgenommen. Es wurden jedoch nur jene mit positiver Kultur in die Auswertung eingeschlossen.

 

Ausschlusskriterien
  • Behandlung mit systemischen Fungiziden während den vorangehenden 6 Monaten
  • Behandlung mit topischen Fungiziden in den vorangehenden 7 Tagen
  • Vorbestehende Dermatitis
  • Immunsuppression
  • Überempfindlichkeit auf Teebaumöl in der Anamnese
Intervention

Die Patienten wurden in 3 Gruppen randomisiert (zwei Behandlungsgruppen und eine Placebogruppe):

  • Gruppe mit Placebo: Lösung aus 20% Äthanol und 80% Polyäthylenglycol
  • Gruppe mit 25% Teebaumöl in Äthanol und Polyäthylenglycollösung
  • Gruppe mit 50% Teebaumöl in Äthanol und Polyäthylenglycollösung

Die Patienten wurden angeleitet, ihre Füsse mit Wasser und Seife zu waschen, zwischen den Zehen zu trocknen und die Lösung während 4 Wochen 2 x täglich auf die betroffenen Stellen zu applizieren. Zwei und vier Wochen nach Beginn der Behandlung wurden Kontrollen durchgeführt. Bei diesen Visiten fand eine Beurteilung der einzelnen Symptome anhand einer 5-Punkteskala1 statt. Der Untersucher beurteilte die Entzündung; Jucken und Brennen wurden vom Patienten eingestuft. Durch Addition aller Punkte wurde ein klinischer Score berechnet.

 

Primäre Endpunkte
  • Mykologische Heilung: Beurteilung aufgrund von Hautschuppenkulturen vor Beginn (Basiswert) und am Ende der 4-wöchigen Behandlung
  • Klinisches Ansprechen: Endscore von 0 oder Abnahme um 3 oder mehr Punkte auf einen Endwerte unter 3 Punkte
  • Effektive Heilung: kombinierter Endpunkt (klinisches Ansprechen plus mykologische Heilung)
Beobachtungsdauer

4 Wochen.

 

Resultate

Basisdaten

Von den 158 in die Studie eingeschlossenen Patienten waren 104 (66%) männlich und 54 (34%) weiblich. Ihr mittleres Alter lag bei 41 Jahren (17-85 Jahre). Hinsichtlich Geschlecht, Alter, klinischem Score (Basiswert) und Ergebnis der Hautschuppenkultur waren sie vergleichbar.

 

Patienten

Siehe Tabelle 1

 

Gruppenvergleich der Endpunkte

Siehe Tabelle 2

 

Sicherheit und Verträglichkeit

Alle 158 an der Studie teilnehmenden Patienten wurden in die Analyse zur Beurteilung der Sicherheit und Verträglichkeit einbezogen. Bei einem Patienten mit der niedrigen und drei mit der höheren Teebaumölkonzentration trat eine Dermatitis auf. Ein Patient wurde deswegen aus der Studie zurückgezogen. Diese entzündlichen Reaktionen verschwanden schnell nach Absetzen der Prüfsubstanz; bei zwei Patienten wurden topische Steroide eingesetzt. Zwei Patienten mit der 25%igen Lösung und zwei mit Placebo berichteten über Brennen bei der Anwendung, das aber als mild beschrieben wurde und nur wenige Sekunden dauerte. Es wurden keine schweren unerwünschten Wirkungen beobachtet.

 

Diskussion durch die Autoren

Die Autoren berichten, dass von den 158 Patienten mit einer klinischen Diagnose von Fusspilz 87% auch mikroskopische Hinweise auf eine Dermatophyteninfektion hatten. Dieser Anteil liege höher als aufgrund früherer Untersuchungen erwartet wurde. Da schliesslich nur bei 114 Patienten eine Wiederholung der Kultur aufgrund einer Hautschuppe möglich war, betrachteten es die Autoren als vernünftig, nur diese Patienten in die Analyse zur Beurteilung der Heilungsrate einzuschliessen.

 

Die Autoren weisen auch darauf hin, dass die Studie zwar verblindet durchgeführt wurde. Aber der typische Geruch des Teebaumöls habe es für die Patienten offensichtlich gemacht, ob sie in der Placebo- oder in einer der Teebaumölgruppe eingeteilt seien. Hingegen war es nicht möglich zwischen den beiden Teebaumölkonzentrationen zu unterscheiden.

 

Laut Autoren sei die mykologische Heilungsrate von 55% und 64% in der 25% bzw. 50%igen Teebaumölgruppe etwas niedriger als diejenigen für Clotrimazol (90%) und Terbinafin (90%) in ähnlich angelegten Studien. Die Heilungsrate von 13% in der Placebogruppe sei nicht unerwartet, da alle Patienten angeleitet wurden, die Füsse mit Wasser und Seife zu waschen, die Zehenzwischenräume vor der Anwendung der Lösung zu trocknen und offene Schuhe zu tragen.

 

Auch die kombinierte Heilungsrate von 48% in der 25%igen bzw. 50% in der 50%igen Teebaumölgruppe seien niedriger als diejenigen für Clotrimazol (63%) und Terbinafin (74%) in ähnlich angelegten Studien.

 

Laut Autoren sei nicht klar, ob die bei vier mit Teebaumöl behandelten Patienten beobachtete Dermatitis allergischer Natur sei oder als Reizsymptom zu betrachten sei. Während von der 25%igen Lösung bekannt sei, dass sie nicht reize, gebe es keine Information über das Reizpotential von 50%igem Teebaumöl. Hingegen wurde beim Teebaumöl von allergischen Kontaktdermatitiden berichtet, wobei nur wenige Berichte existierten. Bei einem Patchtest mit Teebaumöl wiesen 3 von 28 gesunden Probanden eine starke allergische Reaktion auf.

 

Die Autoren kommen zum Schluss, dass sowohl 25%ige als auch 50%ige Lösungen von Teebaumöl bei der Behandlung von Fusspilz wirksam seien und dass die 25%ige Lösung mit weniger Komplikationen assoziiert sei. Sie empfehlen bei Patienten, die natürliche Heilmittel bevorzugen, Teebaumöl in 25%iger Lösung zu verwenden, auch wenn Teebaumöl weniger wirksam sei als topische Standardbehandlungen.

 

Zusammenfassender Kommentar

In der vorliegenden kontrollierten Studie wurde bei Patienten mit Fusspilz in den Zehenzwischenräumen die Wirkung zweier Konzentrationen von Teebaumöl (25% bzw. 50%) mit Placebo verglichen. Mit der Behandlung mit Teebaumöl wurde eine Heilungsrate (klinisch und mykologisch) von rund 50% erreicht, unabhängig von der Teebaumölkonzentration. Im Vergleich dazu kam es bei 13% der Patienten in der Placebogruppe zu einer Heilung. Die Heilungsrate mit Teebaumöl ist, wie die Autoren bemerken, deutlich niedriger als mit konventionellen Fungiziden. Auch hat Teebaumöl besonders in hoher Konzentration möglicherweise ein beträchtliches allergisches Potential, das aber noch wenig untersucht ist.

 

Für die Beurteilung der Wirksamkeit wurden nur Patienten mit kulturell belegter Infektion bzw. Heilung einbezogen (114 der ursprünglich 158 behandelten Patienten). Eine konservativere Schätzung der Wirksamkeit (klinisch und mykologisch) aufgrund einer Analyse nach dem Intention-to-treat Prinzip ergibt bedeutend niedrigere effektive Heilungsraten von 37-40% für die aktiven Teebaumölgruppen und 12% für die Placebogruppe.

 

Trotzdem scheint ein Behandlungsversuch mit Teebaumöl bei Personen, die auf eine natürliche Methode wert legen, sinnvoll. Besonders auch die Betonung der begleitenden Fusshygiene (regelmässiges Waschen und gründliches Trocknen der Zehenzwischenräumen, Tragen von offenen Schuhen) könnte bei längerfristiger Durchführung eine präventive Wirkung zeigen und Rückfälle eindämmen.

 

Besprechung von Dr. med. Michèle Schoep-Chevalley, Münsingen.


Australas J Dermatol 2002 Aug;43(3):175-8 - A. C. Satchell et al

01.02.2004 - dde


 
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