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Fasergehalt der Nahrung und kolorektale Adenome

Das Auftreten kolorektaler Adenome korreliert mit dem Fasergehalt der Nahrung.

Titel

Dietary fibre and colorectal adenoma in a colorectal cancer early detection programme.

 

Autoren

Peters U, Sinha R, Chatterjee N, Subar AF, Ziegler RG, Kulldorff M, Bresalier R, Weissfeld JL, Flood A, Schatzkin A, Hayes RB; Prostate, Lung, Colorectal, and Ovarian Cancer Screening Trial Project Team

 

Quelle

Lancet. 2003 May 3;361(9368):1491-5

 

Abstract

 

 

Fragestellung 

Besteht ein Zusammenhang zwischen Fasergehalt der Ernährung und dem Auftreten kolorektaler Adenome?

 

Hintergrund

Bereits 1971 vermutete DP Burkitt anlässlich von Untersuchungen in Afrika, dass eine Assoziation zwischen Fasergehalt der Nahrung und Auftreten von kolorektalen Karzinomen besteht. Spätere Case-Control und Kohortenstudien lieferten allerdings divergierende Resultate und zwei kürzlich erschienene Interventionsstudien konnten den schützenden Effekt von Nahrungsfasern nicht bestätigen. In der vorliegenden Studie wird die Beziehung zwischen Fasergehalt der Ernährung und Auftreten von distalen, kolorektalen Adenomen, als Vorläufer des kolorektalen Karzinoms, untersucht.

 

Methoden

Studiendesign

Epidemiologische Multizenter-Kohortenstudie.

 

Setting

Im Rahmen der randomisierten amerikanischen Screeningstudie zur Früherfassung von Karzinomen der Prostata, der Lunge, des Kolons und der Ovarien (PLCO cancer screening trial) wurde bei 56’176 Personen das distale Kolon mittels flexibler Sigmoidoskopie untersucht. Die Leute stammten aus zehn geographisch verteilten Zentren mit unterschiedlichen Lebens- und Essgewohnheiten. Lebensgewohnheiten und speziell die Ernährung während der letzten zwölf Monate wurden mittels eines standardisierten, zuvor validierten Fragebogens untersucht. Die Einnahme unterschiedlicher Faserarten wurde quantitativ und qualitativ detailliert erfasst. Zur Quantifizierung wurden enzymatisch-gravimetrische Methoden angewandt, die auch Nicht-Polysaccharid Fasern erfassen. Kochgewohnheiten sowie Mineral- und Vitaminzusätze wurden ebenso erfragt. Die Ernährung der Kohorte ohne sigmoidoskopischen Nachweis von Adenomen im distalen Kolon wurde anschliessend mit jener verglichen, bei denen Adenome gefunden worden waren.

 

Einschlusskriterien

Alter zwischen 55 und 74 Jahren mit sigmoidoskopischer Beurteilung der distalen 50 cm des Kolons mit einer Beurteilbarkeit von mindestens 90% der Schleimhaut oder Identifikation einer polypoiden Läsion.

 

Ausschlusskriterien
  • Anamnese früherer Adenome oder Karzinome (ausser Hauttumoren), spezielle Karzinomrisikosituationen wie familiäre Polypose, Gardner Syndrom, Colitis ulcerosa und M. Crohn
  • Ungenügend ausgefüllter Fragebogen, extremste Ernährungsgewohnheiten mit sehr tiefer oder exzessiv hoher Kalorienzufuhr
  • Leute mit einzig hyperplastischen Polypen, Polypen unklarer Dignität oder mit Nachweis von Karzinomen
Beobachtungsdauer

Einschluss ins Screeningprogramm 1993 bis 2000, letzte Komplettierung der Auswertung 2002.

 

Endpunkt

Einfluss des Fasergehaltes der Ernährung auf die Prävalenz von distalen kolorektalen Adenomen.

 

Resultate

Basisdaten

Verglichen wurde eine Kontrollgruppe von 33’971 Personen ohne Adenome im distalen Kolon mit einer Gruppe von 3’591 Leuten mit Adenomen im distalen Kolon. Frauen und Männer waren gleichmässig verteilt. Die tägliche Fasereinnahme variierte zwischen 12.6 und 36.4 g (median 21.9).

 

In der Kontrollgruppe waren die Leute mit hohem Nahrungsfaseranteil häufiger Männer, minimal älter, hatten eine etwas bessere Ausbildung, waren körperlich leicht aktiver, nahmen häufiger Aspirin ein, rauchten weniger und tranken weniger Alkohol.

 

Die Daten wurden bei der Kohorte mit Adenomen nicht gleich detailliert wiedergegeben.

 

Gruppenvergleich der Endpunkte

Das Risiko, dass im distalen Kolon Adenome nachweisbar sind, sinkt mit steigendem Faseranteil in der Nahrung stetig signifikant gemäss nicht parametrischer Analyse. Diese Assoziation ist auch signifikant nach Berücksichtigung anderer potentiell relevanter Faktoren gemäss Multivarianz adjustierter parametrischer Analyse (p = 0.002). Die Gruppe mit höchster Fasereinnahme hatte ein 27% tieferes Adenomrisiko als jene mit dem tiefsten Faserkonsum ohne Unterschied zwischen Mann und Frau. Das gleiche Ergebnis fand sich auch bei fortgeschrittenen Adenomen. Keinen schützenden Einfluss hatte der Konsum von Fasern auf das Vorkommen von Adenomen im Rektum.

 

Bezüglich Quelle der Fasern konnte der schützende Effekt nur bei Früchten und Getreide, nicht aber bei Hülsenfrüchten und Gemüse nachgewiesen werden.

 

Andere Faktoren, die einen Einfluss auf das Vorkommen von Adenomen hatten (berücksichtigt bei der Multivarianzanalyse), waren Rauchen, Einnahme von Folsäure, Einnahme von rotem Fleisch, körperliche Aktivität und Alkoholkonsum.

 

Diskussion durch die Autoren

In dieser grossen epidemiologischen Beobachtungsstudie mit über 3’500 Leuten mit Adenomen nahm das Risiko, Adenome im distalen Kolon zu entwick-eln, mit zunehmendem Fasergehalt in der Nahrung klar ab. Diese Assoziation blieb auch nach Berück-sichtigung anderer zusätzlicher Faktoren wie Rauchen, körperlicher Aktivität und Folsäureeinnahme bestehen.

 

Im Gegensatz zu früheren Studien konnten unterschiedlichste Populationen mit divergierenden Ernährungsgewohnheiten unter Bedingungen eines Screenings (asymptomatische Personen) untersucht werden. Der Konsum von Fasern variierte von 12 g (durchschnittlicher Faserkonsum in den USA: 16 g/Tag) bis zu 35 g täglich, womit auch der Vergleich zu den heute empfohlenen 30-35 g Fasern täglich möglich war. Um einen relevanten Schutzeffekt zu erhalten, musste der Faseranteil erheblich angehoben werden. Evt. erklärt dies die Diskrepanz beispielsweise zur grossen «US Nurses Study».

 

Kein Unterschied wurde bezüglich frühen und fortgeschrittenen Adenomen gefunden. Dies könnte dafür sprechen, dass Nahrungsfasern die Adenomentstehung bereits in einem frühen Stadium beeinflussen.

 

Gemäss Autoren hatten die Ausschlusskriterien, beispielsweise der Ausschluss von Leuten mit nachgewiesenen Karzinomen keinen Einfluss auf die Datenlage. Auch bei Adenomen im proximalen Kolon sei die gleiche schützende Beziehung gefunden worden, wobei diese Daten nicht gezeigt wurden.

 

Unklar bleiben das nicht geschützte Rektum (zu kurze Kontaktdauer? bakterielle Flora? unterschiedlicher Wassergehalt des Stuhles?) sowie der unterschiedliche Schutzeffekt je nach Quelle der Fasern. Nicht ausgeschlossen ist auch, dass Nahrungsfasern nur ein Marker für einen anderen, noch nicht erkannten Schutzfaktor darstellen.

 

Zusammenfassender Kommentar

Der Konsum von viel Früchten und Gemüsen macht Sinn. Die vorliegende PLCO-Studie und die gleichzeitig publizierte EPIC Studie zeigen, dass der Konsum von faserreicher Kost offensichtlich bis zu einem gewissen Ausmass vor dem Auftreten kolorektaler Karzinome schützt. Wie dies geschieht ist unklar. Fasern erhöhen das Stuhlgewicht, beschleunigen mehrheitlich die Transitzeit durch den Darm, verändern die Stuhlflora und fördern die bakterielle Fermentation. Dies führt zur Zunahme kurzkettiger Fettsäuren, Azetat, Proprionat und Buttersäure im Stuhl, was schlussendlich die Zellproliferation hemmen und die Apoptose fördern kann. Möglicherweise wird die Entstehung des Kolonkarzinoms auf diese Weise gebremst. Vielleicht werden aber auch mitogene Substanzen in der Nahrung durch faserhaltige Nahrung gebunden oder andere Substanzen in der Nahrung, wie Antioxidantien, spielen eine entscheidende Rolle. Wir wissen es nicht. Diese spannenden neuen Ergebnisse werden die Forschung auf dem Gebiet der Nahrungsfasern sicher neu beleben.

 

Trotz diesen neuen Daten bei einer grossen Studienpopulation bleibt vieles unklar. Ab welchem Alter, wie lange und wie massiv muss ich meinen Faserkonsum steigern, um davon zu profitieren? Warum erkranken Vegetarier und Nicht-Vegetarier gleich häufig am Darmkrebs? Welche Fasern schützen nun wirklich vor dem Kolonkarzinom und welche nicht? Die teils unterschiedlichen Ergebnisse der vorgestellten Studien aber auch die Diskrepanzen zu den Ergebnissen früherer ebenfalls guter Studien sind noch ungelöst und müssen durch weitere Untersuchungen geklärt werden.

 

Besprechung von Prof. U. Marbet, Kantonsspital Uri.

 

Lancet. 2003 May 3;361(9368):1491-5 - U. Peters et al

24.02.2004 - dde

 
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