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Sie sind hier: Fachliteratur » Studienbesprechungen 23. Oktober 2020
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Allergendichte Bettbezüge

Wirkung von allergendichten Bettbezügen auf den Steroidbedarf.

Titel

Effect of mattress and pillow encasings on children with asthma and house dust mite allergy.

 

Autoren

Halken S, Host A, Niklassen U, Hansen LG, Nielsen F, Pedersen S, Osterballe O, Veggerby C, Poulsen LK.

 

Quelle

J Allergy Clin Immunol 2003 Jan; 111(1): 169-76

 

Abstract

 

 

Fragestellung 

Kann die Medikamenteneinnahme bei Kindern mit Asthma und Hausstaubmilbenallergie durch Umhüllen von Matratzen und Kissen mit allergendichten Bezügen signifikant reduziert werden?

 

Hintergrund

Asthma ist bei Kindern die häufigste chronische Erkrankung. Die häufigste Ursache von Asthma im Kindesalter ist eine Hausstaubmilbenallergie. Die Reduzierung der Allergenexposition durch die Hausstaubmilbensanierung ist neben der spezifischen Immuntherapie die kausale Therapie der Hausstaubmilbenallergie. Vorangegangene Studien hatten eine signifikante Reduktion der Allergenexposition durch Umhüllen der Matratzen und Kopfkissen mit Polyurethanbezügen gezeigt, ebenso eine Abnahme der bronchialen Hyperreaktivität durch diese Sanierungsmassnahmen. Allerdings waren die untersuchten Fallzahlen gering und der Beobachtungszeitraum kurz.

 

Methoden

Studiendesign

Prospektive, doppelblinde, placebokontrollierte Multizenterstudie mit einem Beobachtungszeitraum von 1 Jahr nach Studienbeginn.

 

Setting

60 Kinder im Alter von 5-15 Jahren mit Asthma und dokumentierter Hausstaubmilbenallergie aus 3 Kinderspitälern in Dänemark wurden in die Studie eingeschlossen und mittels Randomisierung im Verhältnis 1:1 der aktiven oder der Placebogruppe zugeteilt. Die Randomisierung erfolgte dabei nach Alter (2 Gruppen: < 10 Jahre oder Ž 10 Jahre), Geschlecht, Basiswerten der Hausstaubmilbenkonzentration (2 Gruppen: < 10’000 ng/g oder Ž 10’000 ng/g Staub) und Prüfzentrum.

 

Einschlusskriterien

Asthma, positiver Pricktest auf Dermatophagoides pteronyssinus, positive bronchiale Provokation mit Dermatophagoides pteronyssinus (PC20  100’000 SQU) und eine Gesamtkonzentration an Hausstaubmilben (Dermatophagoides pteronyssinus, Dermatophagoides farinae und Dermatophagoides microceras) Ž 2’000 ng/g Staub in den Matratzen der Kinder.

 

Ausschlusskriterien

Vorausgegangene Behandlung der Patienten, deren Eltern oder Geschwistern mit allergendichten Matratzenumhüllungen, andere klinisch relevante Allergien ausser Hausstaubmilbenallergie, vorausgegangene spezifische Immuntherapie, andere Begleiterkrankungen oder Medikamente, welche die Symptome beeinflussen könnten.

 

Während der Studie wurden Kinder ausgeschlossen, die ihr Bett oder ihre Matratze, den Schlafraum oder die Wohnung wechselten. Ferner wurden die Kinder ausgeschlossen, die ihre Medikamente nicht mehr einnahmen.

 

Intervention

Von den 60 eingeschlossenen Kindern erhielten nach der Randomisierung 30 Kinder allergendichte, semipermeable Polyurethanumhüllungen für die Matratzen und die Kopfkissen; 30 Kinder bekamen speziell für diese Studie angefertigte, nicht-allergendichte Placeboumhüllungen. Die Umhüllungen sollten nach Möglichkeit während der Studie nicht gewaschen werden und Veränderungen in bezug auf Bett, Matratze, Schlafraum oder Ventilation der Schlafzimmer waren nicht erlaubt. Es wurde empfohlen, die Kopfkissen und die Bettdecken alle 3 Monate nach der Staubsammlung zu waschen, die Bettlaken und Kopfkissenbezüge alle 2 Wochen.

 

Primäre Endpunkte

Veränderungen in der Hausstaubmilbenkonzentration und Veränderungen im Bedarf an Asthmamedikation, im besonderen an inhalativen Steroiden.

 

Sekundäre Endpunkte

Veränderungen in den Asthmasymptomen, des Peakflows, der FEV1 und der allergenspezifischen bronchialen Provokation.

 

Beobachtungsdauer

Nach einer zweiwöchigen Basisperiode wurden die Kontrolluntersuchungen alle 3 Monate ein Jahr lang durchgeführt. Während der ganzen Beobachtungsdauer wurde die Dosis der inhalativen Steroide nach definierten Kriterien auf die niedrigstmögliche Konzentration gebracht.

 

Resultate

Basisdaten/Patienten

Von den 60 eingeschlossenen Kindern beendeten 52 die Studie. Fünf Kinder wurden ausgeschlossen, womit 47 Kinder zur Auswertung übrig blieben, davon 26 in der aktiven und 21 in der Kontrollgruppe. In den meisten Fällen (n = 27) wurden die Duvets und Kopfkissen während der gesamten Studiendauer nicht gewaschen. In der aktiven Gruppe wuschen 8 von 26 Familien, in der Placebogruppe 12 von 21 die Duvets wenigstens ein Mal während der Studiendauer. Nur 2 Umhüllungen, beide in der Placebogruppe, wurden während der Studie gewaschen.

 

Die Staubproben für die Basisdaten wurden bei 11 Kindern (8 in der aktiven und 3 in der Placebogruppe) 3-7 Monate vor Studienbeginn entnommen, bei allen anderen Kindern in den 2 Wochen vor Studienbeginn.

 

Gruppenvergleich der Endpunkte

Die Konzentration des Hausstaubmilbengehalts in den Staubproben der Matratzen zeigte eine grosse Varianz. In der aktiven Gruppe waren die Werte nach 3, 6, 9 und 12 Monaten alle signifikant niedriger als die Basiswerte, in der Placebogruppe war keiner dieser Werte signifikant niedriger. Im Mittelwert nahm die Hausstaubmilbenkonzentration in der aktiven Gruppe von 15’604 ng/g Staub auf 1’456 ng/g Staub ab (p < 0.001), in der Placebogruppe von 8’791 ng/g Staub auf 4’311 ng/g Staub (p = 0.163). Der Gruppenvergleich zwischen der aktiven und der Placebogruppe war nach 6 und nach 12 Monaten signifikant (p = 0.011 bzw. p = 0.032).

 

Beim Einschluss wurden bis auf 4 Kinder (1 in der aktiven und 3 in der Placebogruppe) alle mit inhalativen Steroiden therapiert. Diese Kinder benutzen dasselbe Medikament (Budesonid oder Fluticason) während der gesamten Studie. Die Tagesdosis an inhalativen Steroiden wurde in der aktiven Gruppe bei den meisten Kindern (19/26, 73%) um mindestens 100 mg/d reduziert, während dies in der Placebogruppe nur bei wenigen Kindern (6/21, 29%) der Fall war. Nach 9 und 12 Monaten erreichten signifikant mehr Kinder eine mindestens 50%ige Dosisreduktion in der aktiven Gruppe als in der Placebogruppe: Nach 9 Monaten waren es in der aktiven Gruppe 54% (14/26), in der Placebogruppe 10% (2/21, p < 0.05), nach 12 Monaten in der aktiven Gruppe 73% (19/26), in der Placebogruppe 24% (5/21, p < 0.01). Die mittlere Steroiddosis sank in der aktiven Gruppe von 408 auf 227 mg/die (p < 0.01). Kein Kind wurde während der Studie mit systemischen Steroiden behandelt.

 

Bei allen anderen untersuchten Parametern wie Verbrauch von b2-Mimetika, Parametern der Lungenfunktion (PEF, FEV1), Asthmasymptome oder allergen-spezifische bronchiale Provokationen wurden keine signifikanten Unterschiede in den Gruppen oder zwischen den Gruppen gefunden.

 

Diskussion durch die Autoren

Die allergendichten Umhüllungen von Matratze und Kopfkissen führten zu einer signifikanten Langzeitreduktion der Hausstaubmilbenkonzentrationen in den Matratzen und des Bedarfs an inhalativen Steroiden bei den untersuchten Kindern mit Asthma und Hausstaubmilbenallergie.

 

Zusammenfassender Kommentar

Die Autoren beschreiben zu Recht Asthma als die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter; die Prävalenz ist in den westlichen Industrienationen steigend und liegt inzwischen bei etwa 10%. Die häufigste Ursache ist die Hausstaubmilbenallergie. Als kausale Therapie stehen die spezifische Immuntherapie und die Hausstaubmilbensanierung zur Verfügung. Die Autoren untersuchten die Umhüllung von Matratzen und Kopfkissen mit semipermeablen, allergendichten Polyurethanbezügen bei Kindern mit nachgewiesenem Hausstaubmilbenasthma. Dabei konnten Sie eine signifikante Abnahme der Hausstaubmilbenkonzentration in der aktiven Gruppe, nicht in der Placebogruppe und einen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen nach 6 und 12 Monaten nachweisen. Ebenso konnte bei der zweiten primären Zielgrösse signifikant gezeigt werden, dass der Bedarf an inhalativen Steroiden in der aktiven Gruppe nach 9 und 12 Monaten abnahm. Dies ist als Behandlungserfolg zu werten und unterstützt die auch von nationalen und internationalen allergologischen Fachgesellschaften ausgesprochene Empfehlung dieser Massnahme bei Hausstaubmilbenasthma.

 

Bei allen sekundären Zielgrössen konnten keine signifikanten Unterschiede ermittelt werden. Das verwundert nicht, wenn man sieht, dass auch nach 12 Monaten in der aktiven Gruppe noch im Mittel eine Hausstaubmilben-Allergenkonzentration von 1’426 ng/g Staub nachzuweisen war, eine Menge, die völlig ausreichend ist, um Allergien auszulösen bzw. zu unterhalten. Unklar ist in diesem Kontext, warum nicht auch die Duvets der Kinder entsprechend umhüllt wurden, was in der Schweiz empfohlen ist.

 

Die Anzahl der Probanden erscheint mit n = 60 zu niedrig in bezug auf die erreichte knapp 50%ige Verminderung des Bedarfs an inhalativen Steroiden. Legt man die Reduktion der Hausstaubmilben-Allergenkonzentration nach 12 Monaten von > 80% in der aktiven Gruppe zu Grunde, erscheint die Probandenzahl knapp ausreichend zu sein. Die doppelte Studienpopulation hätte der Studie mehr Aussagekraft verliehen.

 

Bei den Basisdaten erfahren wir nicht, ob Haustiere gehalten wurden, ob diese evtl. auch in den Betten anzutreffen waren, was Katzen durchaus gerne tun, ob Plüschtiere in den Kinderbetten waren, ob in den Kinderzimmern Teppichböden lagen oder Polstermöbel vorhanden waren, und wie die Raumtemperatur und die Luftfeuchtigkeit in den Schlafzimmern waren. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass bei den 47 letztlich in der Studie verbliebenen Probanden gleiche Bedingungen herrschten. Systematische Fehlerquellen wurden somit nicht sorgfältig genug ausgeschlossen.

 

Abschliessend sollen die Massnahmen zur Vermeidung von Hausstaubmilbenallergen genannt werden, die über das Umhüllen von Matratzen, Duvets und Kopfkissen mit allergendichten Bezügen hinausgehen und in bezug auf die Allergenelimination wichtig sind:

 

Das Bettgestell soll offen sein, damit die Luft unter der Matratze zirkulieren kann. Die Bettwäsche sollte wöchentlich gewechselt und bei 60 Grad Celsius gewaschen werden. Auf Haustiere (Hausstaubmilben in Tierfellen) sollte verzichtet werden, ebenso auf Plüschtiere in den Kinderbetten. Kleider sollten in geschlossenen Schränken aufbewahrt werden. Getragene Kleider sollten nachts nicht im Schlafzimmer liegen gelassen werden.

 

Hausstaubmilben gedeihen besonders in Wärme und Feuchtigkeit. Die Feuchtigkeit im Raum sollte durch regelmässiges Lüften abgeführt werden. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte maximal 45% betragen. Die Schlafzimmer sollten kühl sein (18 Grad Celsius). Es sollten keine Pflanzen im Schlafzimmer sein.

 

Sind Teppiche vorhanden, machen diese ca. 50% des Hausstaubmilbenreservoirs aus. Holz-, Linoleum-, Steinböden oder versiegelte Korkplatten sollen statt Teppichen den Bodenbelag in den Schlafzimmern bilden. Polstermöbel sollten durch Holz-, Kunststoff- oder Ledermöbel ersetzt werden. Gardinen, Vorhänge und Tapeten sollen aus leicht wasch- bzw. abwaschbarem Material sein.

 

Führt man die Hausstaubmilbensanierung wie beschrieben vollständig durch, erreicht man sicher deutliche niedrigere Allergenkonzentrationen als in der diskutierten Studie beschrieben. Führt man zusätzlich als weitere kausale Therapie die spezifische Immuntherapie mit den relevanten Milbenallergenen über drei Jahre durch, ist die Therapie nicht nur auf die Reduzierung der Asthmamedikation ausgerichtet, sondern vielfach kurativ. Wichtig ist auch zu erwähnen, dass die optimale Behandlung der perennialen allergischen Rhinitis bei Hausstaubmilbenallergie durch Allergenelimination und spezifische Immuntherapie primäre Asthmaprävention ist. Es ist aus allergologischer Sicht entsprechend zu fordern, dass die Versicherungsträger in der Schweiz die Kosten für die allergendichten Umhüllungen von Matratzen, Duvets und Kissen nicht nur wie bislang mit CHF 200.- unterstützen, sondern ganz übernehmen und dies nicht nur wie bisher bei Patienten mit Asthma, sondern auch bei Patienten mit Rhinitis, die durch diese Prävention vor Asthma bewahrt werden sollen.

 

Besprechung von Dr. med. Andreas Schapowal, Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Facharzt FMH für Allergologie und klinische Immunologie, Landquart.

 

J Allergy Clin Immunol 2003 Jan; 111(1): 169-76 - S. Halken et al

20.02.2004 - dde

 
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