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Editorial

Allergien – häufig aber harmlos?

Ähnlich wie im 19. Jahrhundert Infektionskrankheiten, haben sich in den letzten Jahrzehnten allergische Erkrankungen zu einer Epidemie entwickelt, die jeden vierten bis fünften Schweizer betreffen. Was sind Allergien? Zwar werden sie häufig als überschiessende Immunreaktionen bezeichnet, aber das eigentlich Charakteristische ist, dass es sich um Immunreaktion gegen harmlose Proteine, Chemikalien und Metall (Nickel) handelt, also gegen Substanzen, die sich nicht im Körper replizieren. Die Immunreaktion per se ist ähnlich wie andere, eher als sinnvoll empfundene Immunreaktionen (gegen Bakterien, Pilze, Protozoen und Viren). Diese Definition zeigt auch das modellhafte allergischer Immunreaktionen auf, da die Klinik ausschliesslich durch die Immunreaktion bewirkt wird, denn die Auslöser sind inert und tragen nicht zur Pathologie bei.

 

Sind Allergien gefährlich? Für den Arzt wie auch Patienten ist es schwierig zu akzeptieren, dass eine Allergie, ausgelöst durch seine eigene Immunreaktion gegen so harmlose Stoffe wie Lebensmittel, Pollen, Kopfwehpulver, etc. gefährlich sein soll. In der Tat, viele Allergien verursachen zwar lästige Symptome, aber ein allgemeines Krankheitsgefühl des Patienten fehlt häufig, was auch dazu führt, dass der Patient selber seine Symptome manchmal unterschätzt. Die häufigste Allergie ist der Heuschnupfen (15-20% der Bevölkerung): Er ist meist harmlos, und viele Patienten benötigen auch kaum eine Therapie. Allerdings, ein gewisser Prozentsatz der Patienten hat schwerere, generalisierte Symptome, was wegen der Häufigkeit des Krankheitsbildes doch dazu führt, dass Komplikationen des Heuschnupfens in der Praxis nicht selten sind: Dies sind einerseits das (Pollen)-Asthma, das meist gut einer Therapie zugänglich ist und eine Hauptindikation für eine spezifische Immuntherapie darstellt; andererseits eine Nahrungsmittelallergie: Wegen der Kreuzreaktivität vertragen viele Leute gerade gesunde Nahrungsmittel wie Obst und Gemüse (Äpfel, Kiwi, Kirschen, Karotten, Sellerie, Nüsse...) schlecht: Sie haben Juckreiz im Mund, manchmal Schwellungen, Heiserkeit, und können sogar eine generalisierte Urtikaria und Anaphylaxie entwickeln. Leider sind die therapeutischen Möglichkeiten bei diesen Nahrungsmittelallergien noch immer limitiert, und Vermeiden bzw. Kochen der Nahrungsmittel ist noch immer der einzige Ratschlag, den man geben kann.

 

Eine Komplikation anderer Art betrifft hauptsächlich Kinder: Heuschnupfen ist nicht nur lästig, sondern manchmal auch sozial isolierend: Kinder werden wegen roten Augen, triefender Nase gehänselt und kommen im Sport wegen Anstrengungsasthma weniger gut mit. Sie gehen nicht mehr aus dem Haus und meiden das Herumlaufen. Wichtiges Therapieziel ist, dass sie trotz Heuschnupfen genauso gut leben wie die anderen Kinder und sozial gut integriert bleiben. Auch bei sportlichen Tätigkeiten sollen sie problemlos mitmachen können. Dies kann man mit den zur Verfügung stehenden Medikamenten meist gut erreichen, falls die Eltern mitmachen und eine konsequente medikamentöse Behandlung für ihr Kind akzeptieren.

 

Heuschnupfen, Asthma, atopische Dermatitis aber auch Kontaktdermatitis sind Volkskrankheiten geworden. Werden im Jahre 2050 Nicht-Allergiker in der Schweiz die Ausnahme darstellen? Erfreulicherweise scheint ein Stopp der Zunahme allergisch-atopischer Erkrankungen in Sicht: Seit vielen Jahren untersucht ein Schularzt in Grabs (Dr. M. Gassner) die Kinder regelmässig auf Allergieprävalenz: Viele Erkenntnisse wurden anhand dieser Untersuchungen schon vorweggenommen, und auch jetzt sind es die Daten aus Grabs, die darauf hinweisen, dass die Zunahme gestoppt ist (1). Bei 14-jährigen Kindern blieb im Zeitraum zwischen 1992 und 1999 die Rate von Heuschnupfen und der Nachweis einer Sensibilisierung gleich, ja Asthma nahm sogar signifikant ab. Die erfreulichen Nachrichten aus Grabs: Der ständige Aufwärtstrend scheint gebrochen – wenngleich auf hohem Niveau (immer noch sind 35-40% der Jugendlichen sensibilisiert auf Pollen, Milben etc.); und auch auf dem Land und als einfacher Arzt kann man Vorreiter in der Forschung sein!

 

Prof. Werner J. Pichler, Abteilung Allergologie, Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie/Allergologie, Inselspital, 3010 Bern.

 

 

1 Gassner M., Heiniger U, Neu U. et al: No further increase in Asthma, heyfever and atopic sensitization rates in Swiss adolescents. Swiss Med. Wkly 2003 133 (Suppl 135) S 29 (abstract).



 
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