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Menstruationsbeschwerden – oft lästig, aber harmlos

Einleitung

Die vorliegenden Bemerkungen beschränken sich auf Beschwerden im Rahmen der Menstruation, nicht aber auf solche in der prämenstruellen Phase. Menstruationsbeschwerden gehören nebst Blutungsstörungen zu den häufigsten Symptomen, die im Rahmen einer Monatsblutung auftreten können. Praktisch alle Frauen sind punktuell oder phasenweise oder während ihres ganzen «zyklischen» Lebens davon betroffen. Auch bei sonst völlig normalem Zyklus sind Menstruationsbeschwerden eine weit verbreitete, häufige Erscheinung.

 

Die Vielfalt der möglichen Beschwerden widerspiegelt die Vielfalt und die Individualität jedes einzelnen Frauenlebens. Als Menstruationsbeschwerden sind vor allem Bauchschmerzen, aber auch Rückenschmerzen, Beinschmerzen, allgemeine Gliederschmerzen, Kopfschmerzen bis hin zur Migräne mit Augensymptomen und Erbrechen, Übelkeit, Schwindel, Müdigkeit, Durchfall, andere gastrointestinale Symptome und eine Vielzahl von psychischen Erscheinungen, wie Verstimmtheit, Traurigkeit oder Nervosität u.a.m. beschrieben worden.

 

Trotz der Vielfalt der beklagten Beschwerden handelt es sich dabei um Vorgänge im Rahmen des normalen physiologischen Menstruationsgeschehens. Die frühere Bezeichnung des «Unwohlseins» oder der «Unpässlichkeit» ist sehr zutreffend: Obwohl ein normaler Vorgang, ist es der Frau nicht wohl. Die Grenze zwischen einem normalen Geschehen mit Störung des Befindens und einem zwar immer noch normalen, aber als krankhaft und krankmachend empfundenen Ereignis, ist fliessend und allein vom individuellen Erleben der Frau abhängig.

 

Die wohl erste dokumentierte Erwähnung von Menstruationsbeschwerden findet sich auf einer Tontafel aus dem alten Mesopotamien, ca. 3000 Jahre vor unserer Zeitrechnung mit dem Inhalt: «Frauenpein hat meinen Körper ergriffen, lasset die Götter mir dieses Übel ausreissen». Auch aus anderen antiken Kulturen sind Überlieferungen zur Menstruation und Menstruationsbeschwerden erhalten geblieben, so z.B. auf Papyrusrollen aus dem alten Ägypten. Im antiken Griechenland wurden vielfältige Überlegungen zum Sinn der Menstruation angestellt und die Beschwerdebilder in ihrem Zusammenhang waren allgemein bekannt.

 

Mit Aufkommen der «modernen» Frauenheilkunde im 18. und 19. Jahrhundert wurden verschiedenste Traktate verfasst zu den im Rahmen der Monatsblutung auftretenden Beschwerden. Zu ihren Ursachen gab es unterschiedliche Theorien, u.a. eine vermehrte Blutfülle des Organismus, ein «Wandern» des Uterus, ganz allgemein aber die schwache nervliche Konstitution der Frauen. Entsprechend wurde viel körperliche und seelische Schonung empfohlen, Vermeiden von Aufregungen, aber auch von Tanzen und Reiten und für die Unterleibsschmerzen Bäder und Wickel und spezielle diätetische Massnahmen.

 

In der heutigen Diskussion zu Menstruationsbeschwerden und ihren Ursachen werden verschiedene Faktoren genannt. All die vielfältigen Symptome und Beschwerdebilder lassen sich nicht auf eine einzelne oder klare Ursache zurückführen und entsprechend kann auch kein klares therapeutisches Konzept aufgestellt werden. Oft nützen z.B. Schmerzmittel gut gegen Bauchkrämpfe, beeinflussen aber die Verstimmtheit nicht.

 

Dysmenorrhoe

Die Dysmenorrhoe, die krampfartigen Unterbauchschmerzen während der Periode, ist die häufigste Form von Menstruationsbeschwerden. Wann noch von einer schmerzhaften Menstruation ohne Krankheitswert und wann bereits von einer Dysmenorrhoe gesprochen werden muss, hängt vom individuellen Schmerzempfinden der einzelnen Frau ab. Als Faustregel gilt, dass eine Dysmenorrhoe vorliegt, wenn eine Frau deswegen Medikamente einnehmen möchte oder muss.

 

Man unterscheidet zwischen einer primären Dysmenorrhoe, die i.d.R. mit Beginn oder kurz nach der Menarche auftritt, ohne Beteiligung von Organstörungen und der sekundären Dysmenorrhoe, die aufgrund von Organveränderungen oder krankhaften Prozessen nach vorgängig dysmenorrhoefreien Zyklen auftritt.

 

Als Ursache der primären Dysmenorrhoe wird eine verstärkte Prostaglandine-Sekretion im Endometrium mit entsprechend erhöhter Kontraktilität des Myometriums angesehen, was wiederum zu lokalen Durchblutungsstörungen mit ischämischer Reaktion mit entsprechendem Schmerz führen kann. Je unbeeinflusster der Zyklus ist, speziell bezüglich Ovulation, desto höher ist die Prostaglandine-Sekretion.

 

Diese Beobachtung hat zu verschiedenen therapeutischen Ansätzen geführt: Einerseits können Prostaglandine-Synthetase-Hemmer zur Schmerzbekämpfung eingesetzt werden, sowie auch krampflösende Substanzen, z.B. Kalziumantagonisten oder Magnesiumpräparate. Andererseits kann auf der hormonellen Ebene eingewirkt werden, z.B. durch den Einsatz eines Ovulationshemmers, der durch die Verhinderung von Eireifung und Ovulation auch eine Verminderung der Proliferation des Endometriums und eine Verminderung des Prostaglandine-Gehaltes im Endometrium bewirkt, die normalerweise in der Corpus luteum-Phase zunimmt. Als Folge davon kommt es zu einer deutlichen Verbesserung der Dysmenorrhoe-Symptomatik.

 

Weniger wirkungsvoll, aber immer noch nützlich, kann die zyklische Gabe von Gestagenen sein, die durch eine direkte Beeinflussung des Endometriums wirken. In der Regel ist das von der Frau geschilderte Beschwerdebild diagnostisch wegleitend, um Menstruationsbeschwerden, im Speziellen eine primäre Dysmenorrhoe zu erfassen. Zusätzliche Abklärungen sind nicht notwendig.

 

Einzig bei der Dysmenorrhoe bei Adoleszentinnen, bei denen trotz der Beschwerden keine Menstruationsblutung auftritt, muss daran gedacht werden, eine Hymenalatresie auszuschliessen.

 

Da es sich bei Menstruationsbeschwerden um ein im weitesten Sinne physiologisches Geschehen handelt, soll nur bei wirklichem Bedarf ein Medikament eingesetzt werden. Grundsätzlich sollen zuerst die simpelsten Massnahmen ausprobiert werden. Diese sind die seit Alters her bekannten «Hausmittelchen»: In erster Linie Wärmeanwendungen, wie Heizkissen oder Bettflasche oder unmittelbar vor der erwarteten Menstruation ein heisses Vollbad. Weitere Möglichkeiten sind Massagen, z.B. im Kreuzbein-/Lendenwirbelsäulen-Bereich oder aktive leichte Gymnastikübungen. Ferner können bekannte Pflanzen wie z.B. Schafgarbe, Kamille, Melisse oder Gänsefingerkraut in Form von Tees hilfreich sein.

 

Erst bei Versagen dieser einfachen Mittel und wenn der Leidensdruck auf Seiten der Frau sehr gross ist, sollen Medikamente, in erster Linie Analgetika, eingesetzt werden. Bei Therapieversagen mag es ein Trost sein, dass nach einer Schwangerschaft die Dysmenorrhoe im Allgemeinen deutlich bessert, nicht aber zwangsläufig auch andere Menstruationsbegleiterscheinungen wie z.B. Migräne.

 

Etwas anders sieht die Situation bei einer sekundären Dysmenorrhoe aus. Treten Menstruationsschmerzen bei einer vorher mehr oder weniger beschwerdefreien Frau auf, muss an eine organische Ursache der Dysmenorrhoe gedacht werden und hier in erster Linie an uterine Myome oder Endometriumpolypen, an Endometriose, an entzündliche Erkrankungen (Endomyometritis, Parametritis) oder auch an eine Zervikalstenose infolge Narbenbildung.

 

Eine sehr genaue Anamnese zur Entwicklung der Beschwerden, eine umfassende frauenärztliche Untersuchung und die Durchführung einer transvaginalen Sonographie sind notwendig, um der Ursache einer sekundären Dysmenorrhoe auf die Spur zu kommen. Die Therapie wird sich entsprechend der gefundenen Veränderungen gestalten.

 

 

Dr. med. J. Pok Lundquist, Leitende Ärztin, Klinik für Gynäkologie, UniversitätsSpital Zürich.

 

 
Medizin Spektrum
 
06.06.2005 - dde
 



 
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