UEGW 2006 (Gastroenterologie)
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UEGW 2006 (Gastroenterologie)

Die europäische Jahrestagung der vereinigten gastroenterologischen, endoskopischen, hepatologischen und chirurgischen Gesellschaften (United European Gastroenterology Week oder kurz UEGW) wurde in diesem Jahr vom 21. bis 25. Oktober 2006 in Berlin durchgeführt. Die UEGW hat sich in den letzten Jahren zur bedeutendsten Fortbildungsveranstaltung für Magendarmkrankheiten in Europa entwickelt.

 

UEGW 2006, Berlin

 

Die Veranstaltung bestätigte auch in diesem Jahr, dass die Attraktivität dieser Tagung weiter zunimmt. In diesem Jahr haben beinahe 10’000 Ärzte, Forscher, andere Akademiker und Pflegefachpersonen teilgenommen: Gastroenterologen (sowohl adulte und pädiatrische Teilnehmer), Hepatologen, gastrointestinale Chirurgen, Endoskopiker, Radiologen und verschiedene andere assoziierte Spezialisten. Daneben waren fast 400 Pflegefachpersonen anwesend.

 

Das Meeting offerierte ein sehr breites Angebot an Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, aber auch wissenschaftliche Beiträge von der Basisforschung bis zur klinischen Anwendung. «State-of-the-art»-Lectures, Symposien, Fortbildungskurse zu Leberkrankheiten, zu Magendarmkrankheiten, Live Demonstrationen von endoskopischen und chirurgischen Eingriffen sowie spezielle Kurse für die Pflegefachpersonen wurden durchgeführt und ergänzt mit freien Mitteilungen sowie Posterpräsentationen zu allen Themen des Gebietes. Daneben gab es eine Reihe von speziellen Fortbildungskursen («hands-on»-Training in Ultraschall, Endoskopie, in Funktionsdiagnostik des Magendarmtraktes, Trainingskurse für Kapselendoskopie, Learningcenter für Endoskopie), in welchen in sehr geraffter Form die wesentlichen Entwicklungen diskutiert wurden. Neuste Forschungsergebnisse aus der Gastroenterologie wurden präsentiert, genetische Aspekte und Risikofaktoren von entzündlichen Darmkrankheiten, von chronischen Leberkrankheiten und von malignen Tumoren des Gastrointestinaltraktes wurden diskutiert, neue therapeutische Ansätze (einschliesslich neue biologische Therapieformen bei Morbus Crohn und Colitis ulercosa und in der Onkologie) wurden besprochen und analysiert, sowie Fortschritte in endoskopischen und chirurgischen Techniken präsentiert. Höhepunkt der Eröffnung war ein Vortrag des Nobelpreisträgers Barry Marshall zur Bedeutung von Helicobacter pylori in der Pathogenese der Ulkuskrankheit. Barry Marshall hat eindrücklich dargelegt, welche Schwierigkeiten am Anfang überwunden werden mussten, um dem Konzept der Helicobacter-assoziierten Ulkuskrankheit zum Durchbruch zu verhelfen.

 

Kolonkarzinom

Ein erster Schwerpunkt der Tagung war dem Dickdarmkrebs gewidmet. Dabei gab es speziell mehrere Sessionen zu Vorsorgemassnahmen gegen Dickdarmkrebs. Eindrücklich war die Plenarsession, die ausschliesslich den Dickdarmkrebs zum Thema hatte: erstmals hat dabei eine Patientin ihre Geschichte dargestellt; im weiteren gab es Beiträge zur Genetik, zur Prävention und zu einer neuen endoskopischen Therapie von Frühkarzinomen im Kolon. Wer am Kolonkarzinom erkrankt, merkt es meist zu spät. Durch gezielte Massnahmen können Frühstadien erfasst und behandelt werden. Die Koloskopie gilt heute als " Goldstandard" in den Screeningbemühungen gegen Dickdarmkrebs. Mit Hilfe der Koloskopie und dem Entfernen der Polypen im Dickdarm kann das Krebsrisiko um bis zu 90% gesenkt werden. Die Verfügbarkeit der Koloskopie in verschiedenen Ländern ist aber ein Problem; auch in der Schweiz wäre ein populations-basiertes Screeningprogramm zur Zeit nicht machbar.

 

Entzündliche Darmkrankheiten (M. Crohn, Colitis ulcerosa)

Trotz intensiver Anstrengungen sind die Ursachen von M. Crohn und Colitis ulcerosa nicht klar. In den letzten Jahren wurde vor allem die Bedeutung des Immunsystems untersucht, insbesondere im Zusammenhang mit Umweltfaktoren und vererblichen Komponenten. Die Darmflora selbst spielt im Krankheitsgeschehen eine sehr wichtige Rolle, sowohl bei der Colitis ulcerosa als auch beim M. Crohn. Insgesamt scheint das Immunsystem bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen übermässig zu reagieren, was dann letztlich in den Organschädigungen mündet. In Berlin war ein Schwerpunkt der Tagung den neuen Therapieformen gewidmet. Verschiedene Antikörper stehen uns heute zur Verfügung, wenn die klassischen Therapieansätze versagen. Infliximab, ein TNF-alpha Antikörper, ist nun seit mehreren Jahren verfügbar und hilft oft in kürzester Zeit. Neue Antikörper stehen kurz vor der Einführung (Adalimumab) zur Behandlung des M. Crohn oder sie sind in der Entwicklung zur Therapie von entzündlichen Darmkrankheiten schon weit fortgeschritten (Certolizumab). Neben medikamentösen Therapien wurden auch endoskopische Therapieansätze diskutiert (endoskopische Ballondilatation von kurzstreckigen Stenosen). Schliesslich wurden unter Federführung der ECCO (European Crohn´s and Colitis Organisation) neue evidenz-basierende Guidelines zur Abklärung und Behandlung der Colitis ulcerosa vorgestellt.

 

NSAR/COX-2-Hemmer

Spezielles Interesse erweckten die neuen Entwicklungen auf dem Gebiet der COX-2-Hemmer und nichtsteroidalen Antirheumatika. Nichtsteroidale Antirheumatika sind mit beträchtlichen Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt (möglicherweise auch mit gewissen kardiovaskulären Risiken) assoziiert. Viele der unerwünschten Wirkungen im Magendarmtrakt können frühzeitig durch Erstellen eines Risikoprofils definiert werden. Bei entsprechendem Risikoprofil müssen präventive Massnahmen erfolgen. Eine wirksame Strategie ist die gleichzeitige Gabe von Protonenpumpenhemmern; damit kann die Zahl der Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt markant verringert werden. Alternativ können Coxibe verschrieben werden. Zur Zeit ist in der Schweiz nur ein Coxib erhältlich, Celecoxib. Auch Coxibe haben im Vergleich zu herkömmlichen nichtsteroidalen Antirheumatika eine verminderte gastrointestinale Komplikationsrate, unter der Voraussetzung, dass sie nicht in Kombination mit Aspirin verabreicht werden. Diese verbesserte gastrointestinale Verträglichkeit konnte in verschiedenen Studien nachgewiesen werden; demgegenüber steht eine leicht vermehrte Zahl von unerwünschten Wirkungen aufs Herz und das Gefässsystem. Dies gilt sowohl für Coxibe als auch für nichtselektive NSAR. Ein sorgfältiges Abwägen zwischen Indikation mit erwünschter Wirkung und potentiellen Nebenwirkungen im Magendarmtrakt oder im kardiovaskulären Bereich ist deshalb notwendig, sowohl für klassische NSAR als auch für Coxibe. Eine systematische Anwendung der oben angeführten Überlegungen ermöglicht eine wirksame Behandlung ohne die Zahl der Nebenwirkungen zu erhöhen, sowohl im Magen-Darm-Trakt, als auch im kardiovaskulären Bereich.

 

Leberkrankheiten

Im Zentrum der Diskussionen der Hepatologen waren die neuen Behandlungsmöglichkeiten von chronischen Leberkrankheiten wie Hepatitis B und C, NASH, und die Behandlung des hepatozellulären Karzinoms. Sowohl für Hepatitis B (Entecavir, Adefovir) als auch für die Hepatitis C (Lambda-Interferone) stehen neue Substanzen zur Therapie zur Verfügung oder sind in Entwicklung. Die neuen Erkenntnisse in der Pathogenese der Fibrose wurden besprochen, mögliche Ansätze zu deren Behandlung waren von Interesse; speziell die nicht-invasive Messung der Leberfibrose/-zirrhose mit Hilfe eines auf Ultraschall basierenden Verfahrens fand in mehreren Mitteilungen grosses Interesse. Die Behandlung der NASH macht erste Fortschritte, wie aus Vorträgen, aber auch aus freien Mitteilungen hervorging (Therapieansätze mit Pioglitazone und Glyburide); die pathophysiologischen Konzepte sind besser definiert und bieten Ansätze zu therapeutischen Lösungen, die nun erstmals vorgestellt worden sind.

 

Endoskopie/Bildgebung

Die Bildgebung entwickelt sich weiter in Richtung endoskopische Mikroskopie oder um ein Schlagwort zu verwenden «optische Biopsie». 3 verschiedene Anbieter haben ihre Systeme vorgestellt: Narrow-Band-Imaging, endoskopische Mikroskopie mir 1100facher Vergrösserung, Chromoendoskopie sowie hochauflösender endoskopischer Ultraschall. Indikationen sind zur Zeit Krankheiten wie Barrett-Ösophagus und flache Polypen im Kolon oder Patienten mit Colitis ulcerosa zur Screening-Koloskopie. Die Entwicklung zur Molekularendoskopie (molekulare Charakterisierung von Gewebe mittels Endoskopie) schreitet unaufhaltsam weiter. Fragen zu Kosten und Verfügbarkeit der entsprechenden Techniken stehen im Vordergrund.


Prof. Dr. med. Christoph Beglinger, Departement für Gastroenterologie und Hepatologie, Universitätsspital Basel

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16.11.2006 - dde

 
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