UEGW 2004 (Gastroenterologie)
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UEGW 2004 (Gastroenterologie)

Die Jahrestagung der vereinigten gastroenterologischen, endoskopischen, hepatologischen und chirurgischen Gesellschaften, zusammengefasst als «United European Gastroenterology Week (UEGW)», wurde in diesem Jahr vom 25. bis 29. September 2004 in Prag durchgeführt.

UEGW 2004 Prag

 

Die UEGW hat sich in den letzten Jahren zur grössten und wichtigsten europäischen Veranstaltung für Krankheiten des Magendarmtraktes entwickelt, wobei mehr als 9’000 Ärzte, Forscher, andere Akademiker und Pflegefachpersonen, welche auf den folgenden Gebieten tätig sind, die Veranstaltung besucht haben: Gastroenterologen (sowohl adulte und pädiatrische Teilnehmer), Hepatologen, gastrointestinale Chirurgen, Endoskopiker, Radiologen und verschiedene andere assoziierte Spezialisten. Das Meeting bietet ein sehr breites Angebot an Fort- und Weiterbildung: State-of-the-art Vorlesungen, Symposien, Fortbildungskurse, freie Mitteilungen sowie eine grosse Postersession bilden das Kernprogramm. Daneben werden eine Reihe von sogenannten «Postgraduate Courses» angeboten, in welchen in sehr geraffter Form die wesentlichen Entwicklungen in klinischer Gastroenterologie, in gastrointestinaler Forschung, sowie Entwicklungen im technischen Bereich diskutiert werden. Die Programmkommission des Prager Meetings hat den Kongress unter folgendes Hauptthema: «Advances in Gastrointestinal Oncology» oder auf deutsch «Fortschritte in der gastroenterologischen Onkologie» gestellt. Neuste Forschungsergebnisse aus der gastroenterologischen Onkologie wurden präsentiert, genetische Aspekte und Risikofaktoren von malignen Tumoren des Gastrointestinaltraktes diskutiert, neue therapeutische Algorithmen (einschliesslich neue Chemotherapieschemen analysiert, sowie Fortschritte in endoskopischen und chirurgischen Techniken vorgestellt.

 

Dickdarmkrebs

Eine Session war den Vorsorgemassnahmen des Dickdarmkrebses gewidmet. Wer am Kolonkarzinom erkrankt, merkt es meist zu spät. Durch verschiedene Massnahmen können Frühstadien entdeckt und gleichzeitig behandelt werden. Die Koloskopie gilt heute als «Goldstandard» im Screening für Dickdarmkrebs. Mit Hilfe der Koloskopie und dem Entfernen der Polypen im Dickdarm kann das Krebsrisiko um bis zu 90% gesenkt werden. In der Session wurden verschiedene Aspekte von Vorsorgeprogrammen in verschiedenen Ländern verglichen und diskutiert. Ein erstes Problem ist die Verfügbarkeit der Koloskopie; in den wenigsten Ländern sind die Ressourcen vorhanden um ein breites Screening anzubieten. Damit gekoppelt ist sind die Kosten für die Vorsorgeuntersuchung; in der Schweiz werden die Kosten für eine Koloskopie nicht übernommen, wenn sie als Vorsorgeuntersuchung durchgeführt wird, obwohl zahlreiche Berechnungen belegen, dass das Darmkrebsscreening der Bevölkerung billiger kommt als die teure Therapie der Krebspatienten. Aus der Diskussion wurde ersichtlich, dass in anderen Ländern (Deutschland, Italien, Polen, Tschechien) die Koloskopie als Dickdarmkrebsprophylaxe bezahlt wird.

 

Entzündliche Darmkrankheiten

Ein zweites wichtiges Thema der Jahrestagung waren die Fortschritte und neuen Möglichkeiten in der Behandlung von entzündlichen Darmkrankheiten (M. Crohn, Colitis ulcerosa). Mehrere Sitzungen waren genetischen Aspekten sowie neuen Erkenntnissen in der Pathophysiologie des Morbus Crohn gewidmet, neue Behandlungsstrategien wurden vorgestellt und diskutiert, sowohl für M. Crohn als auch für die Colitis ulcerosa. Dabei erhielt ein neues bildgebendes Verfahren, die Kapselendoskopie, spezielle Beachtung. Neue Medikamente eröffnen Hoffnungen zur Behandlung, sowohl für den M. Crohn als auch für die Colitis ulcerosa. Ein Highlight des Pragerkongresses war die Vorstellung der neuen Guidelines, welche von der ECCO (European Crohn’s and Colitis Organisation) erarbeitet worden sind. Diese Guidelines definieren auf Grundlage der evidenz-basierten Analyse das praktische Vorgehen (Diagnostik, Therapie) bei Patienten mit M. Crohn. Die entsprechenden Guidelines sollten anfangs des nächsten Jahres publiziert werden.

 

The lower the better

Obwohl die A TO Z-Studie (Aggrastat to Zocor) knapp nicht signifikant ausfiel, besteht zunehmende Evidenz, dass eine Statintherapie nach einem akuten Ereignis so früh und so hochdosiert wie möglich begonnen werden sollte, ohne jedoch das Nebenwirkungsrisiko zu vernachlässigen. Insgesamt 4’497 Patienten aus 41 Ländern wurden randomisiert zwischen einem frühen aggressiven Arm (40 mg/Tag Simvastatin während 30 Tagen, dann 80 mg/Tag) und einem konservativen Arm (Placebo während 4 Monaten, dann Simvastatin 20 mg/Tag). Nach zwei Jahren betrug die Inzidenz des kombinierten Endpunktes (Myokardinfarkt, zerebrovaskulärer Insult, kardiovaskulärer Tod oder Rehospitalisation) 14.4% bei den früh und aggressiv behandelten Patienten vs. 16.7% im konservativen Arm. Im aggressiven Arm entwickelten signifikant weniger Patienten eine Herzinsuffizienz (3.7% vs. 5.0%), bei einer allerdings auch signifikant höheren Inzidenz von Myopathien (9 vs. 1 Fall). Zusammenfassend aufgrund der nicht signifikanten Risikoreduktion und der relativ häufigen Nebenwirkungen also eher schlechte Resultate für Simvastatin 80 mg, das in dieser Dosierung sicher nicht ohne weiteres empfohlen werden kann. Die PRINCESS-Studie (PRevention of Ischaemic eveNts by early treatment of CErivaStatin after myocardial infarction) zeigte trendmässig ähnliche Ergebnisse, wurde jedoch nach Rückzug des Cerivastatins (Lipobay) im Jahre 2001 frühzeitig abgebrochen.

 

Nichtsteroidale Antirheumatika

Auch in anderen Gebieten wurden neue Behandlungskonzepte vorgestellt und besprochen. Spezielles Interesse erweckten die neuen Entwicklungen auf dem Gebiet der nichtsteroidalen Antirheumatika, da die Nebenwirkungen dieser Medikamente im gastroenterologischen Alltag von grosser Bedeutung sind, sowohl aus medizinischer Sicht als auch aus ökonomischen Aspekten. Im Vordergrund der Diskussion waren dabei die COX-2-Hemmer als Folge der potentiellen Nebenwirkungen des Medikamentes Rofecoxib. Ein in diesem Umfang nicht erwartetes Resultat von Ergebnisstudien mit Rofecoxib war, dass ein erhöhtes Risiko für thromboembolische Komplikationen nachgewiesen wurde. Die Diskussionen am Pragermeeting fanden noch statt, bevor Rofecoxib durch die Firma vom Markt genommen worden ist. Im Zentrum dieser Diskussionen war die Entwicklung von sogenannten CINOD-NSAR, einer chemischen Verbindung von einem Stickstoffmolekül und einem klassischen NSAR; die Idee hinter der Entwicklung ist eine Aufspaltung der Verbindung im Körper in NO und dem NSAR, wobei NO eine protektive Wirkung auf den Magendarmtrakt ausübt. Daneben wurden zum ersten Mal die Daten mit dem neuen COX-2-Hemmer Lumiracoxib vorgestellt, wobei ein deutlicher Rückgang der bekannten gastrointestinalen Komplikationen dokumentiert werden konnte im Vergleich zu Naproxen oder Ibubrufen unter der Voraussetzung, dass nicht gleichzeitig Aspirin verabreicht wurde. Diese klaren Vorteile im Magendarmtrakt waren bei Lumiracoxib nicht mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko verbunden.

 

Krankheiten der Leber

Im Zentrum der Diskussionen bei der Behandlung von Krankheiten der Leber waren die Hepatitis C, NASH und das hepatozelluläre Karzinom. Die neuen Richtlinien zur Behandlung der Hepatitis C wurde durch namhafte Experten vorgestellt, wobei vor allem die Behandlungsdauer, die Erfolgsquoten unter Kombinationsbehandlungen mit pegyliertem Interferon plus Ribavirin sowie die Behandlung der Therapieversager von Interesse waren. Die Behandlung von NASH ist weiterhin unklar, wie aus Vorträgen, aber auch aus freien Mitteilungen hervorging; immerhin sind die pathophysiologischen Konzepte besser definiert und bieten Ansätze zu therapeutischen Lösungen.

 

Endoskopie quo vadis?

Wie entwickelt sich die Bildgebung in der Gastroenterologie oder anders: Endoskopie quo vadis? Der Begriff Molekularendoskopie bedeutet die molekulare Charakterisierung von Gewebe mittels Endoskopie. In Prag wurden die neusten Entwicklungen vorgestellt: die hochauflösende und stark vergrössernde Endoskopie, in der Regel kombiniert mit Chromoendoskopie, erleichtert die Erkennung von Höhlenmustern und Zotten. Bei der Fluoreszenzendoskopie werden Farbstoffe (Fluophore) mittels blauem Laserlicht aktiviert, damit sie winzige Mengen von fluoreszierendem Licht abgeben. Normale Schleimhaut kann so von malignem Gewebe unterschieden werden. Alle diese Entwicklungen zielen in Richtung optische oder virtuelle Histologie mit dem Ziel, eine gleich hohe Qualität wie die konventionelle Zytologie zu erreichen. Mit all diesen Entwicklungen treten wir in eine neue Ära ein, die der Molekularendoskopie.

 

 

Bericht von Prof. Dr. med. Christoph Beglinger, Abteilung Gastroenterologie und Hepatologie, Kantonsspital Basel.

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07.11.2004 - dde

 
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