Nationaler Telefondolmetschdienst für Gesundheitsfragen
Ab April 2011 ist neu ein nationaler Telefondolmetschdienst für den Gesundheitsbereich in Betrieb. Seine Telefonnummer lautet: 0842 442 442. Er nimmt an allen Wochentagen rund um die Uhr Anrufe aus der ganzen Schweiz entgegen und vermittelt geeignete Dolmetscher/innen.
Der Telefondolmetschdienst wird in den Amtssprachen Deutsch, Französisch und Italienisch angeboten und es werden zwölf Dolmetschsprachen vermittelt. H+ Die Spitäler der Schweiz unterstützt dieses Vorhaben. Wenn es um die Gesundheit geht, ist es entscheidend, zu verstehen und verstanden zu werden.
Fremdsprachige brauchen daher bei Beratungsgesprächen oder Konsultationen oft interkulturelles Übersetzen. Während bei heiklen Kommunikationssituationen eine persönlich anwesende Fachkraft nötig ist, hat sich Telefondolmetschen in vielen Fällen als geeignete und effiziente Ergänzung erwiesen.
Der nationale Telefondolmetschdienst ist ein Projekt des Nationalen Programms Migration und Gesundheit 2008-2013. Er soll insbesondere in Spitälern, Kliniken, Ambulatorien, Hausarztpraxen und Pflegeheimen zum Einsatz kommen. Die neue Dienstleistung ist als Ergänzung zum bestehenden Angebot interkulturelles Übersetzen vor Ort zu verstehen. Sie wird von AOZ Medios angeboten, einem kompetenten Partner, der seinen bisherigen Telefondolmetschdienst national erweitert hat.
Der nationale Telefondolmetschdienst ist für die Kunden kostenpflichtig und wer seine Dienste in Anspruch nehmen will, muss sich vorgängig registrieren lassen. AOZ Medios wird für den Aufbau des Dienstes und dessen Führung bis Ende 2013 durch das BAG unterstützt. Es werden die folgenden Dolmetschsprachen vermittelt: Albanisch, Arabisch, Italienisch, Kurdisch, Portugiesisch, Russisch, Serbisch-Kroatisch-Bosnisch, Somalisch, Spanisch, Tamilisch, Tigrinya, Türkisch.
Je nach Entwicklung der Nachfrage wird das Sprachangebot national und regional ergänzt werden.
Zurzeit leben in der Schweiz etwa 200'000 Personen, die weder eine Landessprache noch Englisch verstehen. Zudem gibt es eine nicht zu unterschätzende Anzahl Migranten und Migrantinnen, die zwar ein Alltagsgespräch bewältigen können, aber bei komplexeren Erläuterungen zu Gesundheitsfragen sprachliche Unterstützung benötigen. Verständigungsschwierigkeiten können sonst die medizinische Betreuung behindern oder gar den therapeutischen Erfolg verunmöglichen.
Wissenschaftliche Studien belegen: Wer keine Landessprache spricht, ist signifikant weniger gesund und psychisch weniger ausgeglichen als der Bevölkerungsdurchschnitt. Ein Teil der in der Schweiz lebenden Migrantinnen und Migranten ist von Verständigungsproblemen, Integrationsschwierigkeiten und schlechtem Gesundheitszustand betroffen, die sich wechselseitig verstärken. Das interkulturelle Übersetzen (vor Ort oder per Telefon) ist deshalb ein Schwerpunkt des Nationalen Programms Migration und Gesundheit 2008-2013. Unterstützt werden neben dem nationalen Telefondolmetschdienst auch die Ausbildung und Zertifizierung von interkulturellen Übersetzern und Übersetzerinnen sowie das nationale Kompetenzzentrum Interpret, das für Qualitätssicherung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Zahlreiche Studien beleuchten zudem qualitative, rechtliche und finanzielle Aspekte des interkulturellen Übersetzens.
BAG
15.04.2011 - dde