Aids-Hilfe-Schweiz: Mehr HIV-Fälle, weniger Geld
Die Mittel, die der Aids-Hilfe Schweiz für ihre Arbeit zur Verfügung stehen, werden immer knapper. Dank Kostenreduktion wird für das Jahr 2011 zwar eine schwarze Null erwartet. Doch der Trend der rückläufigen Erträge der letzten Jahre geht weiter. Mit weniger Geld muss die Aids-Hilfe Schweiz immer mehr HIV-positive Menschen betreuen.
finanzielle Situation der Aids-Hilfe Schweiz ist prekär: Im Jahr 2010 erlitt die Geschäftsstelle der Aids-Hilfe Schweiz (AHS) erstmals einen Verlust in der Höhe von CHF 330‘000. Im Jahr 2011 wurden daher die bereits 2010 eingeleiteten Kostensenkungsmassnahmen durch Personalabbau und Reduktion von Sachkosten intensiviert: So wurden innerhalb 2 Jahren die Personalressourcen um über 30% reduziert.
Aufgrund dieser massiven Kostensenkungsmassnahmen wird die AHS gemäss vorläufiger Bilanz 2011 mit einem „blauen Auge“ davon kommen und eine schwarze Null schreiben. Dies, obwohl sich der jahrelange Trend der sinkenden Erträge auch im Jahr 2011 fortsetzte, und die Gelder aus den beiden Haupteinnahmequellen Bundesamt für Gesundheit (BAG) (minus ca. CHF 750‘000) und Spenden (minus ca. CHF 150'000) um insgesamt ca. CHF 900‘000 zurückgingen. Doch der Trend der sinkenden Erträge setzt sich fort: Auch im 2012 erwartet die Aids-Hilfe Schweiz einen erneuten Rückgang der Einnahmen von Seiten des Bundes um einige 100‘000 CHF.
Die neue Führung der Aids-Hilfe Schweiz reagiert
Die sinkenden Erträge führt Präsidenten Doris Fiala hauptsächlich darauf zurück, dass das Thema HIV/Aids in den letzten Jahren in den Medien, der Öffentlichkeit und der Politik stark an Aufmerksamkeit verloren hat. Das darf nicht sein, denn: während in der Periode zwischen 1992 und 2000 die Zahl der jährlichen Neuansteckungen bis auf ca. 600 pro Jahr zurückging, stieg sie seither wieder auf ca. 800 pro Jahr. Von der neuen Zunahme waren vor allem Schweizer Männer, die Sex mit Männern haben, betroffen, sowie heterosexuelle Personen aus Ländern mit hoher HIV-Prävalenz (Subsahara-Länder). Erst ab 2009 sank die Zahl der jährlichen Neuansteckungen wieder auf ca. 600 pro Jahr. Das heisst, trotz zahlreicher Präventionsbemühungen stehen wir heute erst dort, wo wir vor 10 Jahren standen.
Und da dank der verfügbaren Therapien die Todesfälle stark zurückgehen, leben aufgrund der jährlichen Neuansteckungen immer mehr HIV-positive Menschen in der Schweiz, zurzeit geschätzt 25‘000 – mit steigender Tendenz. Und dies kostet: Die Lebenszeitkosten der HIV-Therapie werden auf 1 Million Franken geschätzt. Bei heute 8‘000 therapierten Menschen belaufen sich die jährlichen Kosten auf 200 Millionen Franken. Neben einer medizinischen Betreuung sind diese Menschen dringend auf die Beratung und Unterstützung durch die Aids-Hilfe Schweiz und deren Mitglieder angewiesen.
„Die Bedeutung rund um die Herausforderungen im Zusammenhang mit HIV und Aids müssen im Bewusstsein der Bevölkerung wieder geschärft werden“, so Doris Fiala „dafür werde ich mich mit ganzer Kraft einsetzen.“ Mit diesen Massnahmen will die neue Führung dem Trend der sinkenden Erträge Einhalt gebieten:
- Neue Finanzierungsquellen, insbesondere aus der Privatwirtschaft und bei Stiftungen, sollen erschlossen werden.
- Die bestehende Verbandsstruktur wird auf ihre Wirksamkeit hin überprüft und den neuen Anforderungen der HIV und Aidsarbeit angepasst. Ein entsprechender Verbandsreorganisationsprozess läuft seit Anfang 2011 und soll dieses Jahr abgeschlossen werden.
- Für Schlüsselprojekte der Aids-Hilfe Schweiz werden Partner als Geldgeber unter Stiftungen oder Unternehmen gesucht. So zum Beispiel für das Migrant/innen-Netzwerk Afrimedia oder das Projekt „Aidsprävention im Sexgewerbe“ (Apis).
- Das Fundraising bei Privatpersonen wird intensiviert und neue Wege werden gesucht.
Einsatz für gefährdete Bevölkerungsgruppen und Menschen mit HIV
Die Aids-Hilfe Schweiz wird ihre Präventionsarbeit in Zukunft noch stärker auf die Bevölkerungsgruppen konzentrieren, die von HIV und Aids besonders stark betroffen sind: Männer, die Sex mit Männern haben, Migrantinnen und Migranten aus Subsahara-Ländern sowie Sexarbeiterinnen. Kontinuierliche Aufklärung, ein starkes Netzwerk und innovative Kampagnen sollen sicherstellen, dass die HIV-Ansteckungen zurückgehen.
Wichtig ist für die Aids-Hilfe Schweiz auch der Einsatz für die steigende Zahl der HIV-positiven Menschen und deren Angehörigen. Die Aids-Hilfe Schweiz setzt sich mit ihren Projekten und Dienstleistungen insbesondere dafür ein, dass Menschen mit HIV ihren Arbeitsplatz behalten können oder wieder ins Erwerbsleben integriert werden. Rechtliche Beratung, eine enge Zusammenarbeit mit Arbeitgebern, Lobbying auf der politischen Ebene und ein engagierter Einsatz gegen Diskriminierung von HIV-positiven Menschen stehen dabei im Vordergrund.
Aids-Hilfe-Schweiz
25.01.2012 - dzu