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Medikamentenrückstände in fast jedem Ostschweizer Fluss

Arzneimittel, Hormone, Chemikalien: Spuren davon gibt es in fast jedem Fluss in der Ostschweiz. Das zeigen Messungen, die 2007 zum zweiten Mal durchgeführt worden sind. Die Menge dieser Rückstände lag meist unter der kritischen Grenze.

Von den Arzneimitteln fand man bei den Proben den Wirkstoff Diclofenac am häufigsten; er wird in Schmerzmitteln und Entzündungshemmern verwendet. Oft festgestellt wurden auch das Antiepileptikum Carbamazepin sowie Antibiotika, wie das Amt für Umwelt und Energie des Kantons St. Gallen am Donnerstag meldete.

 

Es führte die zweite Messkampagne nach 2005 zusammen mit den zuständigen Stellen der Nachbarkantone durch. Diesmal wurden an elf Gewässern an 14 Orten Proben genommen. Praktisch in jedem Gewässer, das gereinigtes Abwasser enthält, waren Benzotriazole nachweisbar. Diese Stoffe stammen aus Rostschutzmitteln und Geschirrspülmitteln.

 

Bei 16 von 24 Messstellen, die die Fachleute in beiden Messkampagnen beprobt haben, wurden nie kritische Werte gemessen. Am besten schnitten die Goldach und der Necker ab. In der Thur, der Sitter, der Jona und im rechtsseitigen Hintergraben der Linth lag jeweils einmal eine kritische Konzentration an Antibiotika vor.

 

Steinach und Glatt problematisch

Die meisten Substanzen und die höchsten Konzentrationen wurden in der Steinach und in der Glatt festgestellt. Die Gründe dafür seien offensichtlich: Beide Flüsse führten bei trockenem Wetter wenig Wasser, so dass das zugeführte Abwasser aus den Reinigungsanlagen nur schwach mit frischem Wasser verdünnt werde.

 

Die Steinach soll ganz von Abwasser befreit werden, heisst es. Geplant ist die Ableitung der ARA St. Gallen-Hofen direkt zum Bodensee, und zwar zur bestehenden Seeleitung der ARA Morgental in Steinach. Für das gereinigte Abwasser der beiden Anlagen ist zur Entlastung der Steinacher Bucht eine längere Seeleitung nötig.

 

Für die beiden Abwasserreinigungsanlagen (ARA) an der Glatt werden technische Massnahmen vorbereitet. Die ARA in Herisau soll eine zusätzliche Reinigungsstufe mit Pulveraktivkohle erhalten mit dem Ziel, schwer abbaubare Substanzen stark reduzieren zu können. In Flawil soll das Abwasser einer Fabrik separat gereinigt werden.

 

An der Quelle

Das Amt für Umwelt und Energie des Kantons St. Gallen ruft dazu auf, die Ursachen dieser Art der Gewässerverschmutzung an der Quelle zu beseitigen: Altmedikamente sollen bei den Verkaufsstellen zurückgegeben und nicht über die Toilette entsorgt werden.

 

Viele Stoffe können in den Abwasserreinigungsanlagen nicht oder nur teilweise biologisch abgebaut oder an den Klärschlamm gebunden werden. Über 3000 chemische Substanzen werden heute als Wirkstoffe in Arzneimitteln für die Humanmedizin verwendet. Sie werden zum Teil mit dem Urin wieder ausgeschieden und gelangen ins Abwasser.

sda

06.06.2008 - gem

 
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