Weissdorn bei Herzinsuffizienz - systematische Review
Kurzportrait Weissdorn
Die ersten Angaben über den Gebrauch von Weissdorn bei Herzerkrankungen geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Die heutige Forschung konzentriert sich vor allem auf die Verwendung von Präparaten aus Blättern und Blüten bei chronischer Herzinsuffizienz, doch auch Extrakte aus Weissdornfrüchten kommen bei der gleichen Indikation zum Einsatz. Die Evidenz zur Wirksamkeit von Weissdorn-Extrakten aus Blättern mit Blüten wurde in einer Metaanalyse, diejenige von Weissdorn-Extrakt aus Früchten in einer systematischen Review überprüft.
Definition der Herzinsuffizienz (HI)
WHO: Verminderte körperliche Belastbarkeit aufgrund einer ventrikulären Funktionsstörung.
Einteilung der HI-Schweregrade gemäss NYHA I-IV (New York Heart Association)
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NAHA-Klasse |
Symptomatik |
| NYHA I |
Keine Einschränkung bei normaler Belastung |
| NYHA II |
Beschwerden bei stärkeren Belastungen |
| NYHA III |
Beschwerden bei leichten Belastungen |
| NYHA IV |
Beschwerden in Ruhe |
Weissdorn-Extrakt aus Blättern und Blüten zur Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz (Metaanalyse)
Methode
- Es wurden 26 potenziell relevante klinische Studien identifiziert.
- Dreizehn Publikationen wurden ausgeschlossen, weil sie nicht randomisiert und Placebo-kontrolliert waren, nicht mit einem Mono-Extrakt aus Weissdornblättern mit Blüten oder an gesunden Probanden durchgeführt wurden.
- 5 Studien entsprachen den Einschlusskriterien, die Daten waren jedoch für eine statistische Bearbeitung in einer Metaanalyse ungeeeignet.
- 8 Studien wurden in die Metaanalyse aufgenommen.
Primärer Endpunkt: maximale Arbeitsbelastung (n=4); Belastungstoleranz (n=2), Druck-Frequenzprodukt (n=5)
- Weissdorn-Extrakt wurde als Zusatzmedikation zu einer bereits bestehenden Basismedikation (z. B. Diuretika, Calcium-Antagonisten, ACE-Hemmer) gegeben.
- Die HI-Schweregradzuteilung wurde anhand der NYHA-Kriterien vorgenommen.
- Die Behandlungsdauer variierte zwischen 3-16 Wochen.
- Die Tagesdosis betrug 160-1800 mg.
- Einsatz des standardisierten Extraktes WS® 1442 in 7 von 8 Studien.
Resultate:
- Die Änderung der maximalen Arbeitsbelastung (Watt) wurde vor und nach Ende der Studiendauer gemessen (Fahrradergometrie mit einem Anstieg von 25 Watt alle 2 Minuten bis zum Testabbruch)
- Die Metaanalyse ergab eine signifikante Steigerung der max. Arbeitsbelastung von 7 Watt zugunsten der Patienten, welche mit Weissdorn-Extrakt behandelt worden waren.
- Unerwünschte Arzneimittelwirkungen: Benommenheit und Schwindel.
Fazit:
- Standardisierter Weissdorn-Extrakt aus Blättern mit Blüten steigert die max. Arbeitsbelastung bei Patienten mit chronischer HI (NYHA II) im Vergleich zu Placebo.
- Aufgrund der vorhandenden Datenlage ist unklar, ob auch Patienten ohne Basismedikation von einer Therapie mit Weissdorn-Extrakt profitieren.
- Die bisherigen Untersuchungsendpunkte lassen keinen Rückschluss zu, ob sich die Mortalitätsrate ändert. Eine entsprechende Studie ist laufend.
- Weissdornextrakt hat ein günstiges Nebenwirkungsprofil und eine grosse therapeutische Breite.
Literatur:
Am J Med. 2003 Jun 1;114(8):665-74; Pittler et al.
Weissdorn-Extrakt aus Früchten zur Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz (systematische Review)
Methode
- Zusammenfassung des aktuellen Kenntnisstandes über die Wirksamkeit und Verträglichkeit bei der Anwendung von Weissdornbeerenextrakt bei Herzerkrankungen.
- 5 randomisierte Studien mit 24 gesunden Versuchspersonen und 271 Patienten.
- Die Präparate enthielten Weissdornextrakt aus Beeren (Crataegus oxyacantha, C. monogyna)
Resultate:
- Die Studien waren von unterschiedlicher Qualität und zeigten einen Effekt auf das kardiovaskuläre System bei Gesunden, eine signifikante Besserung der orthostatischen Dysregulation bei Patienten und eine signifikante Verbesserung der Belastungstoleranz bei Patienten mit HI NYHA II.
- Gute Verträglichkeit der Weissdornpräparate in allen Studien.
Fazit:
- Die Wirksamkeit von Weissdornbeeren in einer Studie mit 140 Patienten mit HI NYHA II scheint vergleichbar mit derjenigen von Präparaten aus Blättern mit Blüten.
- Der therapeutische Nutzen sollte in weiteren Studien bestätigt werden.
- Die Verträglichkeit war in allen Studien gut. Die unerwünschten Wirkungen von Beeren scheinen ebenso gering zu sein wie bei Präparaten aus Blättern und Blüten.
Literatur:
Perfusion 2003; 16:358-62, Melzer et al.
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| 06.06.2005 - rsu |
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