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Managed Care: Mythos freie Arztwahl

In der aktuellen Debatte um die Abstimmung der Managed-Care-Vorlage führen die Gegner immer wieder das Argument der freien Arztwahl ins Feld. comparis.ch wollte wissen, wie die Schweizer Realität heute aussieht und hat daher eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben. Ergebnis: die überwältigende Mehrheit hat einen Arzt ihres Vertrauens und das ist in der Regel der Hausarzt, der sie durch das Gesundheitssystem lotst. Managed Care ist bereits heute näher an der Realität als gedacht.
medizinischen Problemen wenden sich besorgte Menschen vor allem an den eigenen Hausarzt. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Internet-Vergleichsdienstes comparis.ch.

 

Dazu hat das Marktforschungsinstitut Demoscope im April 2012 in der ganzen Schweiz 1'209 Personen über 18 Jahren befragt. 85 % der Befragten geben an, sich bei einem medizinischen Problem als erstes an ihren Hausarzt zu wenden.

 

5 % konsultieren einen medizinischen Beratungsdienst per Telefon. Und nur 2 % wenden sich direkt an einen Spezialisten. Dabei gibt es zwischen den Sprachregionen keine wesentlichen Unterschiede. Für ältere Befragte ist der Hausarzt eher die erste Anlaufstelle als für jüngere. Von den Befragten im Alter zwischen 18 und 34 Jahren wenden sich 81 % zuerst an ihren Hausarzt, bei den über 55-Jährigen sind es 90 %.


Nicht nur als erste Anlaufstelle spielen Hausärzte eine zentrale Rolle, sondern auch bei der weiteren Behandlung, beispielsweise bei der Wahl des Spezialisten. 83 % der Befragten geben an, dass sie einen geeigneten Spezialisten aufgrund der Empfehlung des Hausarztes wählen. 12 % vertrauen auf die Empfehlung von Freunden und Kollegen, 6 % suchen den Spezialisten selber, zum Beispiel im Internet oder Telefonbuch und 4 % entscheiden sich aufgrund früherer eigener Erfahrungen für einen Arzt. «Was die zentrale Rolle des Hausarztes betrifft, ist für die meisten Personen Managed Care bereits Realtität: Sie wenden sich bei einem medizinischen Problem an ihren Hausarzt, und falls nötig, überweist dieser sie an einen Spezialisten», fasst Felix Schneuwly, Krankenkassen-Experte von comparis.ch, die Ergebnisse zusammen.

 

Wie Managed Care, aber ohne Qualitätssicherung

Einen wesentlichen Unterschied gibt es aber bei der heutigen Situation im Vergleich zum mit der Vorlage angestrebten Managed-Care-Modell: Managed Care macht das Teamwork des Hausarztes mit den anderen involvierten Fachpersonen bis ins Spital und in die Reha verbindlich. So wird Qualität messbar und transparent. «Dass sich Patienten heute so verhalten als gäbe es bereits Managed Care nützt wenig, da sie nicht von den Vorteilen eines echten Managed-Care-Systems wie besserer Qualität und tieferen Kosten profitieren», hält Schneuwly fest. Dass auch die Versicherten Verbesserungspotenzial bei der Zusammenarbeit zwischen Hausarzt und Spezialarzt sehen, zeigen die letzte Woche veröffentlichten Resultate einer Umfrage von comparis.ch: Die Befragten, die mit einer Verbesserung der Behandlungsqualität durch Managed Care rechnen, erwarten vor allem eine bessere Zusammenarbeit von Hausarzt und Spezialisten.

 

Freie Arztwahl im Telefonbuch?

Die Wichtigkeit des Hausarztes während der gesamten Behandlung zeigt auch: Die Bedeutung der viel zitierten freien Arztwahl ist zu relativieren. Zudem können Patienten bereits heute den Arzt nicht in der ganzen Schweiz frei wählen. Und sucht man auf eigene Faust einen Arzt, fehlen objektive Vergleichskriterien als Entscheidungsgrundlage. «Das Fehlen von Vergleichbarkeit macht die freie Arztwahl zur Lotterie. Darum ist der wichtigste Faktor bei der Arztwahl die Empfehlung des Hausarztes, daran wird sich auch mit Managed Care nichts ändern», sagt Schneuwly.

 


Warum die freie Arztwahl trotz der Resultate der Umfrage in der Diskussion um Managed Care so einen hohen Stellenwert hat, ist für den Krankenkassen-Experten klar: «Was die Spezialärzte den Stimmbürgern als freie Arztwahl verkaufen, ist primär ihre persönliche Freiheit, mit staatlich garantierten Tarifen, ohne Budgetverantwortung Leistungen zu Lasten der sozialen Krankenpflegeversicherung abzurechnen. Dass sich schon jetzt 83 % der Befragten auf die Empfehlungen ihres Hausarztes verlassen, entlarvt die ‚ freie Arztwahl‘ als Mythos.»

 

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15.05.2012 - dzu

 
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