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Hirntumor: ''Strom-Radar'' im Gehirn

Neurochirurgen des Inselspitals haben als erste weltweit ein Verfahren entwickelt, mit dem sie bisher als nicht operierbar geltende Tumore im Bewegungszentrum entfernen können. Dies zeigt eine in der Zeitschrift „Neurosurgery“ veröffentlichte Studie.
Bis jetzt gehörte das Bewegungszentrum zur "Operations-Sperrzone": das Bewegungszentrum, ein wenige Zentimeter grosses Gebiet im Gehirn, das die Arm- und Beinbewegungen steuert. Tumore sind dort sehr schwierig zu entfernen. Die Gefahr, dass man mit dem Tumor auch Teile des unsichtbaren Bewegungszentrums „mitnimmt“ und der Patient nachher an Armen oder Beinen gelähmt ist, ist sehr gross.

 

Strom als Wegweiser

Den Neurochirurgen des Inselspitals ist es gelungen, das Bewegungszentrum sichtbar zu machen und somit die Entfernung der Tumore zu ermöglichen. Sie haben eine Überwachungsmethode so weiterentwickelt, dass sie sie wie ein Radarsystem nutzen können. Statt Radarwellen verwenden sie Mikroströme. Mit einer ein Millimeter breiten Sonde stimulieren sie das Gebiet um den Tumor mit Stromstärken zwischen drei und zwanzig Milliampère und erkennen so, wie weit sie vom Bewegungszentrum entfernt sind.

 

Wie die in der Fachzeitschrift „Neurosurgery“ veröffentlichte Studie zeigt, können sie mit dieser Methode die Tumore bei 93 Prozent der Patienten vollständig entfernen. „Wir haben erstmals Sicherheitskriterien entwickelt mit denen man bisher inoperable Tumore entfernen kann“, sagt Prof. Andreas Raabe, Direktor und Chefarzt der Universitätsklinik für Neurochirurgie des Inselspitals.

 

Radarystem ermöglicht Entfernung der Tumore

Mit der bisherigen Überwachungsmethode konnte man die Distanz zu diesen Nervenzellen nicht feststellen. Die Ärzte fanden damit nur heraus, ob das Bewegungszentrum in der Nähe war. Wie nah oder weit weg es wirklich vom Tumor lag, blieb im Dunkeln. Erst der Einsatz kleinster Stromstärken ermöglicht die genaue Ortung. Mit dem von ihnen entwickelten „Distanz-Radar“ gelingt es den Chirurgen Tumore zu entfernen, die zwei Millimeter von den Bewegungszellen entfernt sind.

 

Seit 2009 setzen die Neurochirurgen diese Methode ein und haben damit über 100 Patienten operiert. In der Studie wurden 14 Patienten Tumore im Bewegungszentrum entfernt.

Insel Spital Bern

03.05.2012 - dzu

 
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