Fallpauschalen: H+ zieht positive Bilanz , aber...
Der Spitalverband H+ nennt die Einführung der Fallpauschalen einen Erfolg. Dennoch geht er mit Versicherern und Kantonen hart ins Gericht: Die Kassen hätten teilweise zu wenig Know-how, und ein "kantonaler Protektionismus" verhindere die freie Spitalwahl.
Anlässlich seiner Jahresmedienkonferenz zieht H+ eine erste Bilanz zur Einführung des Fallpauschalen-Systems SwissDRG und stellt sein Revisionsprojekt TARMED vor. Punkto SwissDRG fällt die Bilanz positiv aus, auch wenn es noch einige Hindernisse bei der Spitalfinanzierung zu beseitigen gilt und das SwissDRG-System verfeinert werden muss. Ziel des TARMED-Revisionsprojektes ist es, eine KVG-konforme, „betriebswirtschaftlich korrekte, aktualisierte und sachgerechte Abgeltung“ der ambulanten Leistungen in Arztpraxen, Spitälern und Kliniken zu erreichen. Dazu koordinieren H+ und die FMH ihre Revisionsprojekte.
SwissDRG-Einführung positiv, aber ...
Gesamthaft sehen die Spitäler die Einführung von SwissDRG positiv, ist die Umsetzung doch aus technischer Sicht praktisch reibungslos verlaufen. Eines der Hauptprobleme sind die schlecht laufenden Preisverhandlungen. Zwar konnten viele Institutionen mit einigen Versicherern Verträge abschliessen, doch andere müssen wegen fehlenden Verträgen vorerst mit provisorischen Tarifen abrechnen. So gibt es in vielen Kantonen Festsetzungsverfahren.
Charles Favre, Präsident von H+ betont aber auch, dass es auf der anderen Seite einige Probleme gibt, die nicht mit dem Fallpauschalen-System selbst zu tun haben. „Die neue Spitalfinanzierung verankert zwar die freie Spitalwahl. Doch diese funktioniert durch kantonale Hürden noch ungenügend und teilweise sogar schlecht.“
Hemmschwellen sind einerseits die Spitallisten der Kantone und andererseits Erschwernisse für ausserkantonale Hospitalisationen. Probleme gibt es auch bei der Übermittlung der medizinischen Patientendaten durch die noch immer fehlende entsprechende Verordnung des Bundes. Gesetzeswidrig verlangen einzelne Versicherungen alle medizinischen Daten und weigern sich, korrekt gestellte Rechnungen zu zahlen.
Bilanz eines Universitätsspitals und einer Rehabilitationsklinik
Der Direktor des Universitätsspitals Basel und Vize-Präsident von H+, Werner Kübler zieht eine positive Bilanz, weist aber auch auf Probleme hin: „Das neue System ist gut, aber eine Ausdifferenzierung des Abgeltungssystems in naher Zukunft ist dringend notwendig. Die angestrebte finanzielle Steuerungswirkung der Spitalfinanzierung mit Fallpauschalen braucht Zeit, welche man dem System geben muss.
Aus Sicht der Rehabilitationskliniken gewinnen die Schnittstellen zwischen Akutspital und Rehabilitationsklinik weiter an Bedeutung. Matthias Mühlheim, admin. Direktor der Reha Rheinfelden und Vize-Präsident von H+ betont: „Blutige Entlassungen gibt es nicht, jedoch sind die Rehabilitationsfälle insgesamt komplexer und instabiler geworden.“
Zur Frage, ob in der Rehabilitation auch Fallpauschalen denkbar sind, gibt er eine klare Antwort. „Nein, diagnosebezogene Fallpauschalen sind für die Rehabilitation ungeeignet. Es kommen aber andere leistungsorientierte Pauschalen in Frage. H+ und die Rehabilitationskliniken sind mit dem Schweizerischen Tarifsystem Rehabilitation ST Reha daran, eine national einheitliche Tarifstruktur zu erarbeiten.“
Weiterentwicklung von SwissDRG notwendig
Die Bilanz zeigt, dass nun eine Verfeinerung des Systems notwendig ist. Die durch den Verwaltungsrat der SwissDRG AG verabschiedete SwissDRG-Version 2.0, bringt eine geringe Verbesserung, genügt aber den künftigen Anforderungen noch nicht. Bernhard Wegmüller, Direktor H+ betont: „Für eine bessere Vergleichbarkeit des Leistungsangebots und eine sachgerechte, korrekter Abbildung von schwierigen und komplexen Behandlungen braucht es mehr Zusatzentgelte und eine bessere Abgeltung von Hochkostenfällen.“
TARMED aktualisieren und revidieren
Mit dem TARMED-Revisionsprojekt will H+ eine KVG-konforme, „betriebswirtschaftlich korrekte, aktualisierte und sachgerechte Abgeltung“ der ambulanten Leistungen in Spitälern und Kliniken erreichen. Dafür entwickelt H+ den TARMED weiter zu einem Katalog von Einzelleistungen im Spital, die national einheitlich bewertet sind. H+ koordiniert sein eigenständiges Projekt mit dem der Ärztegesellschaft FMH. Damit unterstützen beide Leistungserbringerverbände die bundesrätliche Forderung nach einer TARMED-Revision.
H+ Die Spitäler der Schweiz
22.05.2012 - dzu