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Faktoren, die über den Erfolg wissenschaftlicher Studien entscheiden

Wissenschaftliche Studien werden unter anderem dann häufiger in Fachzeitschriften publiziert, wenn die Letztautoren einer universitären Einrichtung angehören oder männlichen Geschlechts sind. Bei der Auswahl von Studien für die Präsentation auf einem wissenschaftlichen Kongress hingegen oder für die Zitierhäufigkeit im Anschluss an die Publikation, spielen diese beiden Faktoren keine Rolle. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die heute im European Heart Journal publiziert wurde.
Ob eine wissenschaftliche Studie gut genug ist, um an einem Kongress vorgestellt oder in einer Fachzeitschrift publiziert zu werden, entscheiden Gutachter. Diese sind womöglich nicht immer frei von Vorurteilen. Das zeigt eine Untersuchung von Dr. Stephan Winnik, Kardiologe in Ausbildung am UniversitätsSpital Zürich.

 

Seine Kollegen und er analysierten in diesem Zusammenhang alle 10'020 Kurzfassungen von Studien, sogenannte Abstracts, die für den Weltkongress der Kardiologie 2006 in Barcelona eingereicht wurden. Bei einer Auswahl von rund 1'000 Abstracts zur Herzkreislauf-Forschung verfolgten die Studienautoren über einen Zeitraum von fünf Jahren zudem, ob die jeweilige Studien in voller Länge in einer Fachzeitschrift publiziert wurden. Ausserdem untersuchten sie, wie häufig die Studien in anderen Fachblättern zitiert wurden. Beides sind Indikatoren für die wissenschaftliche Qualität von Studien.

 

Die Untersuchung brachte folgende Ergebnisse:

  • Konnten die Abstracts am Kongress präsentiert werden, wurden sie in der Folge auch häufiger publiziert – die Publikationsrate lag bei 38 Prozent; von den abgelehnten Abstracts wurden im selben Zeitraum nur 24 Prozent veröffentlicht.
  • Für die Zulassung zum Kongress war entscheidend, ob es sich um Grundlagenforschung handelte, wie gross das eingeschlossene Patientenkollektiv klinischer Studien war und wie eine Studie angelegt war.
  • Studien der Grundlagenforschung zeigten die höchste Wahrscheinlichkeit für die Publikation in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift. Ebenso wichtig war jedoch, ob die Autoren an eine universitäre Einrichtung angebunden waren und welches Geschlecht sie hatten – Fachartikel von männlichen Studienleitern wurden mit einer grösseren Wahrscheinlichkeit publiziert als die ihrer weiblichen Kollegen.
  • Das Design klinischer Studien war ausschlaggebend für eine hohe Anzahl an Zitaten einer Studie nach deren Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift, und damit ein Mass für deren Qualität.

Dass bei der Publikation wissenschaftlicher Studien in Fachzeitschriften offenbar andere Selektionsfaktoren zum Tragen kommen als bei der Auswahl von Studien für die Präsentation an Kongressen oder bei der Zitierhäufigkeit, war für die Studienautoren zunächst überraschend.
«Weder die Anbindung eines Studienautors an eine Institution noch sein Geschlecht sagen etwas über die wissenschaftliche Qualität einer Studie aus», sagt Dr. Winnik. Die Unterschiede könnten darin begründet sein, erläutert er, dass Abstracts, die für den Kongress eingereicht wurden, einem «doppelt-blinden Peer-Review-Prozess» unterzogen wurden – hier beurteilen Fachkollegen die Arbeit, ohne die Autoren oder deren Herkunft zu kennen und umgekehrt. Anders ist es bei den meisten wissenschaftlichen und medizinischen Fachzeitschriften. Hier ist der Begutachtungsprozess nur «einfach-blind» – die Gutachter kennen die Autoren; diese wissen aber nicht, von wem ihre Arbeit bewertet wird.


«Die Studie zeigt, dass der Peer-Review-Prozess für den Kardiologie-Kongress funktioniert und eine gute Qualitätskontrolle garantiert», sagt Prof. Thomas Lüscher, Kardiologe am UniversitätsSpital Zürich und Herausgeber des European Heart Journals. Ob bei der Auswahl von Studien für Publikationen Vorurteile eine Rolle spielten oder ob universitäre Einrichtungen tatsächlich überlegen seien, müssten weitere Untersuchungen zeigen. Dass die Arbeiten weiblicher Autoren seltener publiziert werden als männliche, führt Lüscher unter anderem darauf zurück, dass Frauen häufig Teilzeit arbeiteten und auch im Rahmen familiärer Verpflichtungen eher Probleme hätten wissenschaftliche Studien abzuschliessen.

 

Zusammenfassend schlagen Dr. Winnik und Kollegen vor, den Auswahlprozess für die Publikation von wissenschaftlichen Studien zu überdenken. Will man die Qualität der publizierten Studien erhöhen, dann sollte man «ernsthaft in Erwägung ziehen»,das Begutachtungsverfahren für wissenschaftliche Zeitschriften künftig ebenfalls doppelt-blind zu gestalten


UniversitätsSpital Zürich

06.06.2012 - dzu

 
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