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EADV 2006 (Dermatologie)
 
Der diesjährige Europäische Dermatologenkongress hat Anfang Oktober in Rhodos stattgefunden. In unserem Beitrag werden die Neuigkeiten aus der Dermatotherapie, welche am EADV diskutiert wurden, kurz zusammengefasst.

 

EADV 2006 - Rhodos

 

 

Infektionen

Varizella Zoster

Eine im NEJM publizierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie an über 38'000 über 60-jährigen Patienten hat gezeigt, dass die Varizella Zoster Impfung die Inzidenz einer postherpetischen Neuralgie um 67% senken kann. Gemäss einer Studie von Homberger und Kollegen führt die Impfung auch zu einer Erhöhung der QALYs.
Die Varizellenimpfung ist ausserdem auch bei Kindern mit atopischer Dermatitis effektiv und sicher anwendbar.

 

HPV

Eine bereits 2002 publizierte Studie konnte nachweisen, dass die HPV-16 Impfung Frauen zuverlässig gegen zervikale intraepitheliale Neoplasien schützt. Kürzlich wurden nun die 4.5-Jahres-Follow-up Daten einer kombinierten HPV 16/18 Impfung im Lancet publiziert. HPV-assoziierte zervikale Neoplasien traten in der placebokontrollierten Studie lediglich in der Placebogruppe auf. Der Schutz der Impfung beträgt 94-100%.

 

Atopisches Ekzem

Eine Analyse 25 randomisierter Studien an über 4'000 Kindern und Erwachsenen hat Pimecrolimus und Tacrolimus miteinander verglichen. Die Sicherheitsprofile waren vergleichbar, Tacrolimus war allerdings effektiver und schneller wirksam. Zum gleichen Schluss kommt eine zweite Studienanalyse an 1'065 Patienten. Ob Tacrolimus effektiver ist als topische Kortikosteroide ist noch unklar. Eine gewisse Beunruhigung besteht immer noch bezüglich Karzinogenität der Kalzineurininhibitoren. Zur Zeit gibt es allerdings keine Evidence für ein vermehrtes Karzinomrisiko durch eine langzeitige Anwendung dieser Substanzen.

 

Eine kleine randomisierte, placebokontrollierte Studie hat den Effekt von Azathioprin bei atopischer Dermatitis untersucht. Nach 12 Wochen hat sich das Ekzem bei den 41 mit Azathioprin behandelten Patienten um 37%, bei den mit Placebo behandelten Patienten lediglich um 20% verbessert.

 

Vitiligo

Eine kürzlich publizierte Studie hat gezeigt, dass die Laserbehandlung nach 6 bis 10 Wochen bei 67% der Patienten zu einer Repigmentierung an Gesicht, Stamm, Armen und Beinen führt.
NB-UVB kombiniert mit Calcipotriol ist zur Repigmentierung nicht effektiver als die NB-UVB Monotherapie, die UVB-Dosis und Nebenwirkungen können dadurch allerdings reduziert werden. Einen Vorteil gegenüber der UVB Monotherapie scheint die Kombination der Bestrahlung mit Tacalcitol zu haben. Als einfache, sichere, kostengünstige und effektive Methode der Repigmentierung hat sich auch die Kombination des „Punch Graftings“ mit NB-UVB erwiesen.

 

Raynaud-Acrosklerose

Zwei Studien haben den Effekt von Sildenafil (Viagra®) bei Patienten mit einem Raynaud Phänomen untersucht. Die Einnahme von 50 mg Sildenafil zweimal täglich während 4 Wochen hat zu folgenden Verbesserungen geführt:

  • Weniger Attacken
  • Kürzere Attacken
  • Leichtere Attacken
  • Verbessertem kapillärem Blutfluss

 

Akne

Isotretinoin ist mit vermehrtem Auftreten von Depressionen assoziiert. Wenn Isotretinoin allerdings mit konservativen Aknetherapien kombiniert wird, können die Symptome einer Depression reduziert werden.

Der Laser hat auch in der Therapie der Akne Einzug gehalten. Die besten Langzeitresultate wurden dabei mit der 1450-nm Diode gemacht (Remissionen von 3 Monaten bis einem Jahr nach Therapieende).

 

Die photodynamische Therapie ist in der Aknebehandlung ein vielversprechendes Verfahren.

 

Aktinische Keratose

2 Studien an insgesamt 492 Patienten haben die Wirkung von 5%iger Imiquimod-Creme bei aktinischer Keratose evaluiert. Die 2 mal wöchentliche Applikation von Imiquimod während 16 Wochen resutierte 8 Wochen nach Therapieende in einem völligen Verschwinden der Läsionen bei 48% (Placebo 7%) und in einer wesentlichen Reduktion der Läsionen bei 87% (Placebo 14%). Nebenwirkung ist eine Entzündungsreaktion. 2 weitere im Jahr 2006 publizierte Studien haben über die sehr effektive Therapie des Morbus Bowen durch Imiquimod berichtet. Schulze und Kollegen konnten ausserdem nachweisen, dass auch oberflächliche Basalzellkarzinome effektiv mit Imiquimod-Creme angegangen werden können (73%ige Erfolgsrate ohne Rezidive während 9 Monaten).

 

Autoimmunbullöse Dermatosen

Rituximab ist ein sogenannter chimärer humanisierter Mausantikörper. Dieser bindet an das auf nahezu allen B-Zellen vorhandene CD20 Antigen. Diverse kleinere Untersuchungen konnten nachweisen, dass Rituximab bei bis zu 88% der Patienten mit autoimmunbullöser Dermatose zu Verbesserungen führte. Insbesondere konnten auch Erfolge erzielt werden, wo verschiedene andere Therapien ohne Effekt waren.

 

Psoriasis

Mit den Biologika wurde in der Psoriasisbehandlung gemäss den am EADV referierenden Experten eine Art Paradigmenwechsel eingeläutet: bei jedem Patienten soll individuell, nach klinischem Bild, Leidensdruck und Anamnese bereits primär die für den Betroffenen beste Therapie definiert und angewendet werden. Die schrittweise Therapie ist out.

 

Topische Therapie

Neuerungen bestehen vor allem in neuen Applikationsarten und Kombinationen. So konnten Griffith und Kollegen in einer randomisierten Studie kürzlich eine Überlegenheit eines Clobetasol-Propionat Shampoos gegenüber einem Teer-Shampoo zeigen. Durch die Kombination von Steroiden mit Calcipotriol können Steroid-induzierte Nebenwirkungen stark reduziert werden, wie eine 2006 im British Journal of Dermatology publizierte Studie nachgewiesen hat. Neue Substanzen sind Cytochrom P450 Hemmer, PDE4 Hemmer, Parathormon und Kalzineurininhibitoren. Die Kalzineurininhibitoren (Tacrolimus und Pimecrolimus) sind vor allem bei Befall des Gesichts und der Beugen effektiv

 

Systemische Therapie

Die klassischen systemischen Therapien sind zwar wirksam, können aber aufgrund ihrer Toxizität häufig nicht über längere Zeit angewendet werden. Die Biologika haben die Therapieoptionen der moderaten bis schweren Psoriasis wesentlich bereichert. Infliximab und Etanercept sind zwei TNF-α-Hemmer, die über längere Zeit eine gute Effektivität zeigen. So konnten in grossen Studien nicht nur die Hauteffloreszenzen zur Abheilung gebracht werden, auch die Lebensqualität der Patienten wird signifikant verbessert. Hinweise auf ein erhöhtes Malignomrisiko unter den TNF-α-Hemmern konnten bisher nicht bestätigt werden.


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20.10.2006 - dde


 

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