Diagnose und Behandlung der interstitiellen Cystitis (IC)
Prof. S. Keay, University of Maryland; Prof. D. Erickson, University of Kentucky; Dr. Ch. Payne, Stanford University.
Die klassischen Zeichen einer interstitiellen Cystitis sind häufiges, schmerzhaftes Wasserlösen, Schmerzen beim Sexualverkehr und Abdominalschmerzen. In den USA ist die Prävalenz für eine IC bei 158 – 197/100'000 für Frauen und 28 – 41/100'000 für Männer (Clemens et al, J Urol 2005). Bei Verwandten 1. Grades steigt die Prävalenz um ein vielfaches an (für Frauen auf 995/100'000, Warren et al, J Urol 2004).
Ätiologisch werden verschiedene Ursachen diskutiert, unter anderem Infektionen, autoimmune Mechanismen und Mastzelldegranulation. Verschiedene diagnostische Tests sollen die Diagnose einer IC ermöglichen, spezifische Tests gibt es aber nicht. Die Diagnose der IC bleibt bis anhin eine Ausschlussdiagnose.
Therapeutisch ist die Problematik auch nur schwer anzugehen. Die Behandlung ist hauptsächlich symptomatisch (medikamentös, chirurgisch, Selbsthilfegruppen).
In der Plenarsession wurde über IC-spezifische Biomarker, neue Therapiekonzepte bei IC und über die Schmerzbehandlung bei IC referiert. Ein idealer Biomarker sollte dazu beitragen, eine definitive IC-Diagnose zu stellen und, neben verschiedenen anderen Punkten, den Verlauf zu dokumentieren. Der antiproliferative Faktor (APF), das HB-EGF und EFG scheinen spezifische und sensitive Marker zu sein, die ermöglichen, einen IC-Patienten von einem nicht-IC-Patienten zu unterscheiden. Von diesen 3 Parametern ist der APF der spezifischste. Diese 3 Marker können zum pathophysiologischen Verständnis der IC beitragen.
Update über die neuesten Behandlungsmöglichkeiten
Mastzellstabilisatoren z.B. Leukotrienantagonisten (Montelukast) und Immunsuppression mit Prednisolon (J Urol 2004;172:2261; J Urol 2005;173:841) sind vielversprechende Substanzen. 3 Studien, die auf die Relaxation der pelvinen Beckenbodenmuskulatur fokussierten, mittels Physiotherapie, zeigten ebenfalls gute Resultate. Gabapentin war im Vergleich zu Placebo besser hinsichtlich neuropathischer Schmerzerleichterung (5 überprüfte Studien im Clin Ther 2003;25:81). Studien mit Pregabalin zeigten ähnliche Effekte. Gute Wirkung auf die IC hatte ebenfalls die sakrale Nervstimulation, lumbale epidurale Injektionen und Botulinum Toxin A.
Schmerzbehandlung
Gemäss Dr. Payne dürfen auch Opiate bei der IC eingesetzt werden. Der Schmerz besteht häufig aus einer Kombination der 3 Schmerztypen (nocizeptiver, viszeraler und neuropathischer Schmerz). Die Lebensqualität (Arbeit, soziales Beziehungsnetz...) kann durch starke Schmerzen beeinträchtigt sein, deshalb bedarf der Schmerz auch einer intensiven Behandlung. Patienten mit schwer therapierbaren IC-Schmerzen sollen deshalb Opiate erhalten. Bei moderaten Beschwerden sollen kurz wirkende Opioide eingesetzt werden (z.B. Kombination von Paracetamol + Hydrocodon), bei schweren, chronischen Schmerzen lang wirkende Substanzen wie Fentanyl, Morphinsulphat oder Oxycodon. Nebenwirkungen wie die Obstipation sollen von Anfang an berücksichtigt und durch die Verabreichung von Laxantien behoben werden. Jegliche Somnolenz ist ein Indikator für eine zu hohe Dosierung, das heisst sie muss reduziert werden.
Behandlungsrichtlinien der Interstitial Cystitis Association >>
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| 13.06.2005 - ssc |
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