Botulinum Toxin A bei Inkontinenzproblemen
Klinische Studien zeigen, dass Botulinum Toxin A - Injektionen (BTX-A) das Potential aufweisen, zur Standardbehandlung von Blaseninkontinenz und Blasenentleerungsstörungen zu werden.
1999 wurde das erste mal eine Publikation veröffentlicht, über die Wirkung von Botulinum Toxin A (BTX-A) bei der neurogenen überaktiven Blase. Die aktive Komponente von BTX-A ist die Zink-Metalloproteinase. Der Aktionsmechanismus an der Blase differiert nicht von dem am Skelettmuskel. Die Wirkungsdauer ist aber viel länger, zwischen 8 - 10 Monaten im Vergleich zu einer nur 3-monatigen Wirkung am Skelettmuskel. Man geht davon aus, dass BTX-A einen Effekt auf den afferenten und efferenten Pfad hat und sehr wahrscheinlich auf das afferente System des Urotheliums wirkt. Die afferenten Stränge liegen im suburothelialen Gewebe, was wiederum wichtig ist im Falle eine Injektion.
Wird das Toxin in den unteren Urintrakt injiziert, nimmt die Blasenkontraktilität ab aufgrund des efferenten Effekts. Ausserdem wird das sensorische Drangbedürfnis aufgrund des afferenten Effekts reduziert. Beides resultiert in einer Abnahme der Urinfrequenz. Zudem bewirkt ein Effekt auf die Substanz P über den nociceptivem Pfad zu einer Abnahme der Blasenschmerzen.
Eine prospektive, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit Level 1 Evidenz zeigt bis anhin bei 59 Patienten mit 26 Wochen Follow up, dass die Inkontinenzepisoden, der Detrusordruck und andere urodynamische Parameter im Vergleich mit Placebo abgenommen haben.
Dr. D. M. Schmid und Kollegen (Abstract 547 AUA 2005) untersuchten die Wirkung von BTX-A bei der überaktiven, auf Anticholinergika resistenten Blase. BTX-A wurde in den M. Detrusor injiziert. 100 Patienten mit nicht-neurogener, überaktiver Blase (urgency-frequency syndrom) wurden in die Studie eingeschlossen. 100 Einheiten BTX-A wurden unter cystoskopischer Kontrolle an 20 verschiedenen Stellen der M. Detrusor injiziert.
88% der Patienten profitierten signifikant von der BTX-A-Therapie. Bei 76% verschwand der Drang, die Inkontinenz bei 80% der Behandelten (1-2 Wochen nach BTX-A-Injektion), die Urinfrequenz nahm von 14 x pro Tag auf 7 x pro Tag ab, die Nykturie von 4 auf 1.5 mal ab. Die maximale Blasenkapazität stieg von 246 mL auf 381 mL an. Schwere Nebenwirkungen lagen nicht vor. Nur wenige Patienten profitierten nicht genügend von den BTX-A-Injektionen.
Die Resultate zeigen, dass Detrusor-BTX-A-Injektionen eine wirksame und sichere Therapie sein können bei Patienten mit überaktiver, nicht-neurogener Blase, die refraktät auf andere Therapien waren.
| |
| Mediscope |
| |
| 13.06.2005 - ssc |
| |
 |
|