Für Ginkgo-Arzneimittel gelten zwei wichtige Qualitätskriterien:
Standardisierung des Wirkstoffgehaltes: im Extrakt sollen 22-27% Flavon(ol)glykoside enthalten sein und 5-7% Terpenlactone.
Verminderung von unerwünschten Stoffen: Der Gehalt an Ginkgolsäuren darf 0.0005% (5 ppm) nicht überschreiten (stark hautreizend und magenunverträglich).
Der Ginkgo-Spezialextrakt EGb 761® erfüllt diese Anforderungen.
Anwendungsgebiete
Die Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT) ist neben der vaskulär bedingten Demenz das wichtigste Anwendungsgebiet für Ginkgo-biloba-Extrakte.
Pharmakologische Wirkung des Gingko-biloba Extraktes
Neuroprotektive Wirkung: Unspezifische Steigerung des Hirnstoffwechsels (metabolische Wirkung)
Hemmung traumatischer oder toxischer Hirnödeme
Förderung der Fliesseigenschaften des Blutes (rheologische Wirkung)
Neben diesen Mechanismen hat sich im letzten Jahrzehnt die Hypothese durchgesetzt, dass der DAT ein "cholinerges Defizit" zentraler Synapsen zugrunde liegt. Dies führte zur Entwicklung einer neuen Gruppe von Arzneimitteln, nämlich den Cholinesterase (CHE)-Hemmern Tacrin, Donezepil, Rivastigmin und Galantamin.
Wirksamkeitsnachweis
Direkte Vergleichsstudien von Ginkgo biloba und CHE-Hemmern fehlen.
Für beide Stoffgruppen liegen Langzeitstudien (Dauer 24-56 Wochen) zum Nachweis der Wirksamkeit vor.
Unter den Wirksamkeitsnachweisen ist vor allem eine psychometrische Skala akzeptiert, nämlich der kognitive Teil der Alzheimer's Disease Assessment Scale (ADAS-Cog). Deren Score-Bereich reicht von 1 bis 70 (je niedriger, desto besser); die Anfangswerte der Patienten in den Studien liegen zwischen 20 und 30; die Besserungen abzüglich Placebo nach halbjähriger Therapie bei etwa 2 unter Ginkgo-Extrakt und bei 2-4 Punkten bei den CHE-Hemmern.
Die relativ geringen Wirksamkeitsunterschiede der beiden Stoffgruppen werden durch das Auftreten arzneimittelspezifischer Nebenwirkungen bei den CHE-Hemmern in Frage gestellt. Im Gegensatz zur Behandlung mit Ginkgo-biloba Extrakt traten unter den CHE-Hemmern bei bis zu 90% der Patienten Brechreiz und Erbrechen auf, so dass der Verdacht besteht, dass die Wirksamkeit der CHE-Hemmer zu wesentlichen Teilen durch einen methodischen Fehler der nur scheinbaren Verblindung bedingt sein könnte.
Der Zuwendungseffekt (Placebo) trägt bei einer Demenzbehandlung massgeblich zum Erfolg bei.
Die Progression einer kognitiven Störung lässt sich mit beiden Wirkstoffgruppen um 0.5-1 Jahr hinauszögern.
Nach Beendigung der Einnahme von CHE-Hemmern kommt es zu einer schnellen Umkehr des Therapieerfolges, was mit Ginkgo-biloba Extrakt nicht in diesem Ausmass beobachtet wird.
Die unerwünschten Arzneimittelwirkungen sind bei den CHE-Hemmern um mehr als das 10-fache und die Therapiekosten um etwa das 5-fache höher als bei Ginkgo-biloba Extrakten.
Fazit
Das therapeutische Umfeld "Droge Arzt" trägt bei Demenz wesentlich zum Behandlungserfolg bei.
Wird die Wirksamkeit mehr vom Umfeld als vom Wirkstoff geprägt, ergibt sich der Wert der Arznei vor allem aus Akzeptanz, Verträglichkeit und Kosten.
Unter den limitierten Möglichkeiten der Behandlung der DAT erscheint daher im Vergleich mit den CHE-Hemmern die Therapie mit Ginkgo-biloba Extrakt nach wie vor die Methode der Wahl zu sein.