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Sie sind hier: Kongresse/Tagungen » CH-Tagungsberichte 22. Mai 2012
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Ernährung bei speziellen Krankheitssituationen

Nephrologische Erkrankung

  • KH: maximal 4 g/kgKG, wegen Insulinresistenz Gefahr der hepatischen Steatose
  • Fettgabe unter Monitoring der Triglyceride empfohlen (decken 25-35% des Energiebedarfes)
  • Carnitinzusatz wünschenswert (Mangel)
  • Spezielles Proteinmuster
    - Essentiell werden Tyrosin, Cystein, Arginin, Serin
    - Phenylalanin zurücknehmen (Clearance sehr stark vermindert)
  • Hochkalorische Kost (2 kcal/ml wegen Flüssigkeitsrestriktion)
    Vitamine
    - Wasserlösliche: mit HD erhöhte Verluste, sonst normaler Bedarf
    - Fettlösliche: verminderter Bedarf (cave: Vit. A Vergiftung)
  • Kaliumfreie, -arme Lösung (max 50 mmol/die)
  • Phosphatfreie, -arme Lösung

Leberzirrhose - Leberversagen

  • Standardlösungen, solange keine Enzephalopathie (Evidence A)
  • Leberlösung (modifiziertes Aminosäuren-Muster) bei symptomatischer Enzephalopathie (Evidence B)
  • Solange möglich Trinknahrung zusetzen (cave: schwierige Compliance)
  • Bei enteraler Ernährung nasogastrale Sonde (Evidence A), auch bei Ösophagusvarizen
  • PEG wird nicht empfohlen (Aszites, Umgehungskreislauf, Komplikationsrate↑)

Diabetes

  • Standardsondennahrung! (Kein Vorteil spezifischer Diabetikersondenernährung) (Evidence A)
  • Eine gute BZ Einstellung hat wesentlich mehr Bedeutung als die Art der Sondenkost
  • Unter MUFA-reicher Nahrung tendentiell:
    - Geringerer postprandialer BZ-Anstieg
    - Stärkere Absenkung des Nüchtern-BZ
  • Unter Ballaststoffen
    - Geringerer BZ-Anstieg
  • Substrate:
    - KH 40-60
    - Protein 10-20%
    - Fett 25-35%  (SFA<10%, MUFA 10-20%, PUFA <10%)

M. Crohn (akute Phase)

Enterale Ernährung (EN) mit hochmolekularer Standardsondenkost

  • Unter EN Remission in 60% (ohne Kortisongabe)
  • Signifikante Zunahme des Körperwachstums und der fettfreien Masse bei EN (A)
  • Empfehlung: EN bei Kortikosteroidunverträglichkeit (Evidence A)
  • Dauer der Remission und Rezidivrate ist jener nach Kortison vergleichbar (Evidence B)
  • PEG ist sicher (Evidence B) - Patientenkompliance:
    - Abbruchrate Trinknahrung 34% (ca. 600 kcal/die)
    - Abbruchrate nasogastrale Sondennahrung 8%

Colitis ulcerosa (akute Phase)

  • EN wird zur Therapie des akuten Schubes nicht empfohlen
  • Einfluss der EN auf Entzündungsaktivität nicht belegt
  • Wert spezifischer Substrate (ω3 FS, Glutamin, Butyrat) nicht belegt

 

Kurzdarmsyndrom

Hypersekretionsphase
  • Stuhlmenge über 3 kg/Tag
  • Ernährung ausschliesslich parenteral
  • Protonenpumpenhemmer
  • Evtl. Glucose-Kochsalzlösung per Sonde
Adaptationsphase
  • Dauer bis zu 1 Jahr
  • Kombination EN/PN
  • Start der Kombinationsernährung bei Stuhlverlust < 2,5 l/die
  • Kontinuierliche, pumpengesteuerte Zufuhr zeigt beste Toleranz
  • Evtl. niedermolekulare Sondenkost von Vorteil
Erhaltungsphase
  • Energiebedarf hoch (bis zu 60 kcal/kgKG)
  • Mit hoher Kalorienzufuhr (200-400%) kann bei 50% der Pat. eine PN umgangen werden
  • Substrate:
    - Proteine  1,5 – 2 g/kgKG
    - KH  hoch
    - Fett  nach Verträglichkeit (Fettstühle), MCT 20 – 60 g/die
  • Nächtliche Sondenernährung erwägen
  • Bei Stuhlmengen > 3kg/die ist die PN unumgänglich

Pankreatitis

Leichte bis mittelschwere Pancreatitis
  • Orale Nahrungszufuhr in 5-7 Tagen möglich
  • Keine Ernährungstherapie (Evidence A)
Schwere Pankreatitis
  • Frühe (<48h) EN beeinflusst den Krankheitsverlauf positiv (Evidence A), Komplikationsrate↓
  • Reduktion SIRS, Sepsis, MOF durch EN (Evidence A)
  • Positiver Nutzen der PN versus EN wurde in Studien nicht gesehen (Evidence A)
  • Frühe EN über Jejunalsonde
  • Bei mangelhafter enteraler Substratzufuhr Kombination EN/PN


Zusammenfassung: Der Mensch ist, was er isst. (Plato)

 

 
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31.05.2006 - dde
 



 

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