Wirtschaftliche Folgen: LOS (Hospitalisationszeit) 8.2 versus 15.6 Tage, Mehrkosten zwischen 3'000 und 8'000 Euro pro Patient
Erste grundsätzliche Frage: Welchen Patienten sollten wir ernähren? (Identifizierung von Risikopatienten)
Einschätzung des Ernährungsstatus durch:
Klinische Methoden
BMI (aber: Bei schlanken Pat. wird der BMI zunehmend ungenauer, bei Ödemen ist er nicht verwertbar und bei sehr trainierten Pat. spiegelt der BMI die Fettmasse nicht korrekt wider)
Anthropometrische Verfahren (meist aber nicht standardisiert)
Physikalische Methoden
Bioelektrische-Impedanz-Analyse (Manche Geräte benutzen Algorithmen, die auf nicht überprüfbaren Annahmen beruhen, daher immer verwendete Gleichungen angeben)
Neutronenaktivierung (Goldstandard zur Bestimmung der Gesamtkörperzell- und Eiweissmasse, für Routine aber zu aufwändig)
Laborchemische Methoden
Serumalbuminspiegel - Niedrige Spiegel korrelieren gut mit Anstieg von Letalität und Morbidität
Präalbumin - HWZ nur 2-3 Tage - Gute Korrelation mit Mangelernährung - Kontrolle der Ernährung
Retinol bindendes Protein - HWZ 12-14 h - Gute Korrelation mit Mangelernährung
Transferrin
Creatinin-Grössen-Index - Quotient zwischen der 24 Stunden Kreatininausscheidung im Urin eines Patienten und der 24 Stunden Kreatinin Ausscheidung eines Probanden mit gleichem Körpergewicht - Korreliert gut bei Mangelernährung - Hohe Varianz der Methode
Summenscores
SGA (Subjective Global Assesment)
Nutritional Risk Score nach Kondrup
Zweite grundsätzliche Frage: Wann sollen wir beginnen?
Wenn innerhalb von 7 Tagen keine ausreichende orale Ernährung möglich ist (Sandstrom: 10fach höhere Mortalität bei postoperativ hypokalorischer Ernährung über 14 Tage versus enterale/parenterale Nahrung binnen 7 Tagen)
BMI < 15-18
Kondrup > 4
Tiefes Albumin, Cut off Wert ist aber nicht definiert
Bei kritisch Kranken enterale Ernährung binnen 24h
Dritte grundsätzliche Frage: Wie sollten wir die Ernährung applizieren?
Patienten, die keine Mangelernährung aufweisen und enteral ernährt werden können, sollen enteral ernährt werden. Kritisch kranke Patienten mit schwerer Mangelernährung sollen enteral und zusätzlich parenteral ernährt werden
Gastrale Ernährung bei
Intakter Reservoirfunktion
geordneter Magenentleerung
Jejunale Ernährung bei
Aspirationsgefahr
Magenatonie
ungeordnete gastrale/intestinale Motilität
gastrale Ulcera
Pankreatitis
Indikation der parenteralen Ernährung (PN)
Additiv - Wenn Keine ausreichende enterale Kalorienzufuhr innerhalb von 7 Tagen möglich
Total parenterale Ernährung (TPN) - Totale Obstruktion im GIT - Paralytischer oder mechanischer Ileus - Peritonitis - Kurzdarmsyndrom (Darmlänge < 60 cm)
Bei ineffektiver oraler Ernährung innerhalb von 7 Tagen Start einer EN
Die jejunale Ernährung ist effektiver und komplikationsärmer als die gastrale Ernährung
Beim kritisch Kranken und Malnutrition Start einer kombinierten EN/PEN TPN bei Kontraindikation der EN
Vierte grundsätzliche Frage: Was und wieviel sollen wir geben?
Wieviel sollen wir geben?
Energiebedarf = Basisbedarf (25 kcal/kgKG) x Muskelaktivität (bettlägrig = 1.2; nicht bettlägrig= 1.3) x Traumafaktor (mässig = 1.1; stark = 1.5; Verbrennung= 2.1)
Katabolie und Ernährung - In der EBB- und Flowphase deutliche Reduktion der Kalorienzufuhr - Eine Erhöhung der Kalorienzufuhr hat keinen Einfluss auf die Katabolie. Cave: Fettleber, Hyperglycämie - Unter Eiweisszufuhr wird die Katabolie reduziert, aber nie gänzlich aufgehoben - Beste Resultate mit 1.5 g Eiweiss/kgKG
parenteral in Form freier Aminosäuren oder Oligopeptiden - immer gleichzeitige Energiezufuhr (KH oder Fett) - langsam infundieren ansonsten Unverträglichkeitsreaktion
enteral als Milch- oder Sojaeiweiss oder Oligopeptide