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Der nicht-vestibuläre Schwindel

Ein Drehschwindel wird vom Patienten meist eindeutig beschrieben und steht ursächlich direkt oder indirekt mit dem Vestibularorgan in Zusammenhang. Bei einem „Schwank“-Schwindel ist die Beschreibung schon schwieriger und der Patient spricht meist nur von „Schwindel“. Diese Fallbeispiele sollen den „Schwindel“ mit dem Schwindel beleuchten.

Fall 1

32-jähriger Kunstmaler

Früher gesund, seit 8 Monaten verheiratet, seit 6 Monaten Ohnmachtsanfälle, tritt nur beim abliegen auf, schläft deshalb halbsitzend.

 

Befunde: kardial, Holter-EKG, Schellongtest, EEG, Schädel-MRI, HWS funktionell, HWS-MRI, Herzecho waren unauffällig.

 

Da kein organsicherer Grund für die Ohnmachtsanfälle zu finden war wurde eine psychogene Ursache vermutet und der Patient erhielt eine mehrmonatige Psychotherapie. Im Rahmen einer ärztlichen Kontrolle trat ein Ohnmachtsanfall auf, dabei sprach der Patient davon, dass ihm für einige Sekunden „schwindlig“ wurde.

 

Diagnose

Tumarkin-Syndrom.

 

Fall 2

45-jähriger Bäcker

Mogendlicher Drehschwindel bei der Arbeit mit Folgestürzen, Erbrechen aber keine begleitenden Kopfschmerzen.

 

Befunde: Falltendenz und Nystagmus nach links, heisere Stimme, Ataxie der linken Extremität, Sensibilitätsstörungen im Gesicht, sowie Kulissenphänomen des Gaumens nach links durch Überwiegen der gesunden Seite.

 

Es bestehen sowohl vestibuläre als auch neurologische Symptome. Daher muss die Ursache zentral, also im Hirnstamm lokalisiert sein.

 

Diagnose

Wallenberg-Syndrom: häufigstes Hirnstammsyndrom mit zugrundeliegender Durchblutungsstörung im Hirnstamm.

 

Fall 3

40-jährige Apothekerin

Seit längerem „Schwindel“, unsicherer Gang, tritt meist am Abend und im Halbdunkeln auf, auch beim Gehen auf weichem Untergrund (Teppich, Waldboden), das Lesen beim Gehen ist nicht möglich, die Bilder verwackeln, beim Stehen sei alles scharf zu lesen, früher gesund bis auf häufige Zystitis und Pyelitis bei Doppelureter.

 

Befunde: neurologisch unauffällig, bis auf Rombergtest: schwankend, ohne Hinfallen.
Matratzentest: Patientin kann auf der weicher Unterlage nicht stehen.


Halmagy-Test (vestibulo-okulärer Reflex): pathologisch im Sinne einer Vestibulopathie

 

Diagnose

medikamentös bedingte, beidseitige Vestibulopathie (BVP). Patientin hat bei rezidivierenden Pyelitiden immer wieder Aminoglykoside eingenommen. Diese können eine BVP verursachen.

 

Wichtig: Immer an einen medikamentös induzierten Schwindel denken, z.B. können Neuroleptika oder Antidepressiva einen schweren orthostatischen Lagerungsschwindel verursachen.

 

Fall 4

60-jähriger Manager

Seit 2 Jahren „Schwindel-Attacken“ mit unbestimmtem Schwanken, kurzdauernd, bei Anstrengungen, mehrmals dabei gestürzt, dabei kurz „weg“.

 

Befunde: Hypertonie, Raucher, beim Tennisspielen bestehen Schmerzen im linken Arm.

 

Diagnose

Subclavian-steal-Syndrom.

 

Fall 5

48-jährige Hausfrau

Vorgeschichte: seit 1 Jahr Schwindelgefühle, genaueres Befragen über Ereignisse zum Zeitpunkt des Erstauftretens der Beschwerden ergeben einen Zusammenhang mit einer Belastungssituation.

 

Diagnose

„Schwindel“ als Unsicherheit durch psychosoziale Belastung.

 

 
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15.03.2005 - gem
 



 

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